RetailWatch - Aktuell


„Incompetence sells!“ - Plädoyer für eine datensparsame Kundenbeziehung



Frankfurt am Main, 13.6.2019 - Manchmal spült die tägliche Informationsflut auch eine schillernde Perlauster an Land. Heute durfte ich mich beim Öffnen der Post mal wieder über solch ein hübsches Exemplar freuen. 

Was war passiert? 

Eingeladen wurde zu einer Veranstaltung, auf der sich der Referent mit der Rolle europäischer Plattformen beschäftigen wird - und zwar mit deren Inkompetenz gegenüber ihren übermächtigen amerikanischen und chinesischen Vorbildern. 

Ein Hoch auf die Inkompetenz? Schwer vorstellbar. 

Doch halt, es geht hierbei um eine ganz spezifische Form des Unvermögens, der Schwäche oder auch der Unfähigkeit europäischer Unternehmen: Nämlich des Sammelns und monetären Verwertens von Nutzerdaten. Ach ja, genau das sollen Legionen von KI-Experten, Data Analysts oder Data Scientists doch gerade ändern - oder etwa nicht? 

Mmh - sehr spannend. 

„Ethical Design“ - so Peter Post, Co-Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer und besagter Referent, könne so „zum europäischen Exportschlager werden“. Das klingt gut. 

Was heisst das aber nun konkret für Sie als mittelständischer Händler? Ist es auf einmal nicht mehr „en vogue“, Ihre Produkte auf internationalen Marktplätzen wie Amazon, eBay, Rakuten & Co. anzubieten? 

Naja, überlegen Sie doch einfach mal, wie „leicht“ es Ihnen in der Praxis fällt, aus Ihren Kunden- bzw. Umsatzdaten weiterführende Erkenntnisse zu ziehen. Auf Produktebene mag das ja noch relativ leicht sein, doch was lernen Sie über Ihre Kunden? Wie können Sie deren künftige Präferenzen einschätzen und etwas über die vielen kleinen „Mikroschalter“ lernen, die vor jeder Kaufentscheidung blitzschnell hin- und hergeworfen werden? 

Jetzt gerade mal zu Amazon, dann in den Mega-Flagshipstore und auf dem Weg nach Hause auf den Markt, frische Lebensmittel aus der Region kaufen - für das gute Gewissen. 

Wohl verstanden, Marktplätze bieten Ihnen eine ergänzende Möglichkeit, Überhänge, Restposten oder auch exklusive Ware zu verkaufen - aber das hat natürlich seinen Preis - in Euro und Cent als Provision wie auch in Form Ihrer Umsatzdaten. 

Nichtstun als Alternative? Keineswegs. 

Viele Menschen sorgen sich durchaus darum, was mit ihren Daten passiert - vielleicht erleben wir sogar gerade eine Renaissance der Datenbewusstheit oder der „informationellen Selbstbestimmung“, wie sie das Bundesverfassungsgericht 1983 in seinem „Volkszählungsurteil“ definierte. 

Was liegt also näher - und da kommen wir wieder auf Peter Posts Vorschlag zurück - als ihr eigenes Verhalten als das zu bewerben, was es ist: als sehr respektvollen Umfang mit den Daten Ihrer Kunden. 

Natürlich sollen Sie weiterhin mit Newlettern informieren, dürfen berechtigte Kontaktdaten Ihrer Kunden aufnehmen, Preissausschreiben und -Gewinnspiele anbieten - und lokale oder regionale Rabattaktionen fahren. Dazu sich mit anderen Händlern zu Aktionen und Verbünden zusammenschliessen - wie wäre es mit gemeinsamen „viralen“ Aktionen, Pop-up-Stores oder Mini-Messen. Dazu lokale und regionale Online-Marktplätze, die nicht nur Sie und Ihr Geschäft prominent mit vielen anderen in Szene setzen, sondern auch Ihren Kunden ein richtig gutes Gefühl beim Einkaufen vermitteln. 

Der Möglichkeiten sind viele - und hier können Sie zeigen, was Sie drauf haben, nämlich Kompetenz. Kompetenz im Umgang mit Kunden, im Aufbau von Vertrauensbeziehungen, in der Gestaltung Ihres Angebots und dabei, Ihren Kunden ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern.

„Alles was nervt, muss verschwinden“ - der Trendforscher Oliver Leisse zur Zukunft des stationären Handels


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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 8.5.2019 - Multi,- Cross,- Omni- oder doch lieber Surround-Channel ? Klar, alles sehr wichtige Überlegungen bei der Digitalisierung des traditionellen Einzelhandels - denn mitmischen sollen Sie als Händler ja schon - im Internet. Aber wie Sie es auch drehen und wenden - es geht on- wie offline immer noch um Kundengewinnung, Kundenbindung und Vertrauensbildung.

Deshalb bleibt auch klassisch ganz viel zu tun. Dieser Tage gab der Hamburger Trendforscher Oliver Leisse der von ihm mitbegründeten Agentur EARandEYES ein spannendes Interview, auf das Agenturmitarbeiter Adrian Alexander Neumann auf XING hinweist.

Die Kernaussagen des Interviews, hier auf den stationären Handel gemünzt, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

„Alles, was nervt, muss verschwinden“, so Leisses Kernaussage - und bedient damit konsequent den kundenseitigen Gigatrend Convenience.

Was heisst das konkret? 

Nun, das Rennen um den jeweils günstigsten Preis haben Online-Player längst für sich entschieden, so Oliver Leisse. Denn deren Effizienz ist für Sie als stationärer Händler nicht zu erreichen. Und auch der Besuch Ihres Geschäftes, das ewige Suchen nach einem Parkplatz und das eigenhändige „Schleppen der Waren“ - kein schöner Gedanke am Samstagnachmittag und schon gar nicht bequem. Gibt’s dann noch ein „Ticket“ oder gar einen „Rempler“ am Auto dazu - spätestens dann hat sich das ganze Manöver wirklich nicht mehr gerechnet.

Viele Händler sind schon auf den Trichter gekommen - empfangen Sie Ihre Kunden wie Freunde (oder doch zumindest gute Bekannte) und entwickeln und fördern Sie so deren Loyalität zu Ihnen und dem ganz speziellen Ambiente Ihres Geschäfts. 

Kleine Geschenke, Aufmerksamkeiten, eine herausragende und ehrliche Freundlichkeit der Mitarbeiter, unerwartete Sonderleistungen, inspirierende Probierstationen, positive Psychologie, ein umfassendes Coaching auch über die Waren-Ebene hinaus – all das muss in die große Rechnung mit einfließen.“

Ihren Kunden werden zunehmend persönliche Erlebnisse und Erfahrungen wichtiger - die Produkte kommen dann häufig erst in zweiter Linie ins Spiel. Es geht definitiv um Kommunikation, um „Austausch“ - eben von Erlebnissen und Erfahrungen - gegen die neue Währung Loyalität.

Ihre Kunden dürfen es sich ruhig etwas kosten lassen, um in Ihrem „Club Mitglied sein zu dürfen“. 

Und wir dürfen uns ruhig ein Beispiel an anderen Ländern nehmen - die beim der Beseitigung der Nervfaktoren im stationären Handel zum Teil schon deutlich weiter sind als wir.

Schönes Beispiel ist immer wieder die Kassenschlange - wir haben an dieser Stelle schon mehrfach auf deren abtörnenden Charakter für das Einkaufserlebnis hingewiesen.

Warum kommen uns aktuell in Deutschland nur Beispiele wie die Self Scanning-Kassen bei IKEA und einige wenige Pendants in Pilot-Supermärkten in den Sinn - statt einer Vielzahl von unterschiedlichsten Unternehmen?

Trendforscher Leisse verweist auf die üblichen verdächtigen Vorreiter aus den USA wie „Apple Pay, Google Pay“ im Online-Bereich oder Amazon Go im stationären Segment.

Dazu kommen aber inzwischen auch chinesische Unternehmen in Gastronomie und Handel, die teilweise mit modernen Bezahlverfahren per Iris-Scan arbeiten.

Utopie? Mitnichten.

Und auch ein Zuviel an Auswahl kann im Offline-Handel verheerende Wirkungen haben. Dazu Oliver Leisse: „Der Kunde will nicht mehr, sondern die richtige, die gut vorbereitete Auswahl.“

Also überdenken Sie doch mal in Ihrem Supermarkt, ob Sie noch das 58. Müsli brauchen oder im Haushaltswarengeschäft die 35. Pfanne mit Antihaftbeschichtung in 28 cm Durchmesser?

Kuratieren des Einkaufserlebnisses im Sinne einer zielgruppengerechten Beratung - auch und v.a. über den Einkaufstag hinaus. Amazon schafft das in seinen ersten eigenen Läden durch viel künstliche aber auch menschliche Intelligenz - in Form von Produktempfehlungen. Dort werden Sie also keine Produkte finden, die weniger als vier Sterne in der Gesamtbewertung haben.

Und auch Überlegungen zu einem eigenen oder auch nachbarschaftlichen Lieferservice sollten kein Tabu mehr sein. 

„Zudem werden die Grenzen zwischen einzelnen stationären Angebotsformen verschwinden. Café und Store – das kennt man ja, das ist schon erfolgreich erprobt. Aber das ist erst der Anfang: Restaurant, Akademie, Lebensmittelladen und Gesundheitszentrum verbinden sich.

Gesunde Ernährung ist der aktuell vielleicht wichtigste Trend überhaupt. Aber die Konsumenten kennen sich nicht aus und brauchen Aufklärung. Der Handel kann hier helfen – beraten, unterrichten, den Kunden anleiten, probieren lassen. Der Kunde muss aus der gestressten Bewegung hin zum entspannten Verweilen gebracht werden. Quality Time im Store verbringen. Waren erfahren und Neues lernen. Individuelle Konzepte für die neuen individuellen Kunden sind gefragt (…) 

Ich freue mich auf die kleine Überraschung im Detail. Das nette Wort vom engagierten Personal, dem es darum geht, dass man im Store eine gute Zeit verbringt. Der Filialleiter, der ein wenig über den Tellerrand schaut und mich mit einer netten Ladendurchsage zum Wochenende erfreut. Oder mir, nachdem er sieht, dass ich meinen Einkaufswagen mit Obst befülle, noch eine exotische Frucht drauf legt – als Anregung für den nächsten Kauf. Es ist so einfach: Überrascht mich! Ich werde mit höheren Ausgaben und Loyalität danken.“

Kurz und knapp: Konsumenten möchten im stationären Handel v.a. authentisch wahrgenommen werden - eben als Freunde oder gute Bekannte - und entwickeln dann auch gerne Loyalität. Und das können Sie als engagierte Händler auf jeden Fall leisten.

Und noch eine kleine Anmerkung aus eigener Handelspraxis: Tappen Sie als mittelständischer Fachhändler bitte nicht in die Falle der Shop-in-Shop-Organisation, wie sie auf der Grossfläche schon seit Jahren praktiziert wird. Die Vielzahl der Kunden ist diesem herstellergetriebenen „Beratungssystem“ bislang noch nicht auf die Schliche gekommen. Aber bleiben zumindest Sie transparent - beraten Sie herstellerunabhängig - und was Sie nicht als gut und angemessen erachten, werden Sie für Ihr Geschäft ja auch nicht eingekauft haben, oder?! 

Der Food Court - Rettung des Shopping Centers?


2019-04-13 Food Court Skyline-Plaza Frankfurt am Main

Food Court Skyline Plaza, Frankfurt am Main


Frankfurt am Main, 23.4.2019 - Kurz vor Ostern publizierten die Düsseldorfer Kolleginnen und Kollegen von „Zukunft des Einkaufens“ einen Namensbeitrag von Mathias Sander, Director Leasing Strategy & Brand Cooperation bei der Dan Pearlman Group in Berlin und zuständig für Kunden aus den Bereichen Retail und Real Estate - ein ausgewiesener Experte für Shopping-Center. 

Sander setzt sich darin kritisch mit Gegenwart und Potential des ehemals über alles gehypten Handelsformats auseinander. So analysiert er unter dem ironischen Titel „Liebling, wir haben den Kunden vergessen“ die zunehmende Tristesse deutscher Malls und den Wandel hin zum Mietermarkt - dazu die magische Grenze von 500 Objekten bundesweit, die mit aktuell rund 480 Centern fast erreicht sei. 

Was also ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten geschehen und was kann man gegen den Bedeutungsverlust der Shopping Center als Handelsformat tun? 

„Frequenzschwund, die Krise der Mainstream-Mode-Konzepte, Expansionsstopp hochwertiger Textilgroßflächen, Mietmodelle und Vertragslaufzeiten sind unter Druck. Die Zaubertrank-Formel für den Branchenmix funktioniert nicht mehr, die traditionellen Zutaten sind plötzlich rar. Vielen rendite-optimierten Centern der 2000er Jahre fehlen Identität, Ideen und Inspiration. Viele Center aus den 90ern sind outdated.“

Das fasst die wesentlichen Probleme der Center sehr gut zusammen - zumal viele Shopping Malls lediglich das Bild der sie umgebenden Einkaufsstrasse spiegeln - so auf jeden Fall im Hinblick auf deren Bestückung mit Marken und Shop-Formaten. Und das wahlweise auf zwei bis fünf Stockwerken, wie beispielsweise das aktuell nach gerade mal zehn Jahren im Umbau befindliche „My Zeil“ - im Herzen einer der frequenzstärksten Einkaufsstrassen Deutschlands gelegen - eben der Frankfurter Zeil. 

Sander weiter: 

„Die von Städten lange geforderte harmonische Integration in Umfeldstrukturen muss endlich verbessert werden. Center müssen ihre abgeschotteten Fassaden öffnen, authentisch auf Augenhöhe mit Nachbarnutzungen agieren.

Ärztezentren, soziale und Familienangebote, daily leisure und Community dürfen nicht als notwendiges Übel und Flächenfüller verstanden werden, sondern als wertvolle Puzzlestücke, die den Standort für Kunden immer wieder besuchenswert machen.“

Kein Wunder, dass Mathias Sander das Berliner BIKINI in der Budapester Strasse als attraktives Rollenvorbild, als „Best Case“ mit „WOW“-Effekt ausmacht. Im denkmalgeschützten ehemaligen „Zentrum am Zoo“ geniessen die Besucher nämlich eine Einkaufsatmosphäre, die vor Überraschungen nur so knistert. Hippe, junge Marken, eine bunte und abwechslungsreiche Gastronomie und selbst eine Supermarktfiliale haben Platz gefunden in dieser Realität gewordenen Utopie eines innerstädtischen Einkaufszentrums.

Die Verbindung von Leichtigkeit, Urban Jungle und zahlreichen Überraschungsmomenten machen mir bei jedem meiner Berlinaufenthalte erneut Freude - ein Gefühl, das mich in klassischen Shoppingmalls seit ewig langer Zeit nicht mehr überkommen hat.

Und aktuell?

„Food Courts“ - vulgo: Gastronomie scheinen sich zumindest als vorübertreibender Rettungsanker für den Fortbestand der Shopping Malls anzubieten. Besucht man eine Mall seiner Wahl, stapeln sich die Besucher geradezu vor und in den Cafés, Imbissen, Döner-Ständen, Systemgastronomie und den Restaurants. 

Aber in den Geschäften drum herum - pure Tristesse - maximal Museumscharakter.

Die Übertragung der Besucherfrequenz zwischen Gastronomie-Angeboten und regulären Geschäften bleibt inzwischen im Ansatz stecken - der Tütenfaktor, also die Zahl der definitiv vor Ort einkaufenden Kunden, sinkt kontinuierlich - und illustriert die andere Seite der Medaille, nämlich den über die Erwartungen hinaus weiter rasch boomenden Online-Handel.

ECE Market Research, eine Tochter von ECE Projektmanagement, der bundesweit grössten Betreiberin von Shopping Centern, veröffentlichte bereits 2016 in Zusammenarbeit mit TNS Infratest die Studie „Gastronomie in Shopping-Centern“

Demnach nutzen 66% der Kunden bei ihrem Besuch im Shopping Center gastronomische Angebote; von diesen sehen es die Hälfte als „festes Essensritual“ an. Und 40% der Besucher eines Einkaufszentrums wählen dieses nach Art und Vielfalt des gastronomischen Angebots aus, wobei aber auch der architektonischen Gestaltung ein besonderer Wert zukommt. 

Zuletzt plagte auch das Frankfurter Shopping Center MyZeil ein in die Jahre gekommenes Gastronomie-Konzept. Seit 11. April gibt es hier aber einen Neustart - dazu die Website von MyZeil:

"Unter dem Motto 'Es ist angerichtet' lädt FOODTOPIA zum essen gehen und Verweilen in einem ganz neuen und einzigartigen architektonischen Ambiente mit urbanem Flair, lebendiger Markthallen-Atmosphäre und attraktiven Außenterrassen ein – im 4. Obergeschoss von früh morgens bis zum späten Abend."

Also, auf nach Frankfurt und Berlin - Ideen sammeln. Falls die Shopping Mall noch eine Zukunft haben soll!

„Das Ende des Konsums“ - oder: Wann wird Dornröschen endlich wachgeküsst?


2019-01-17 Siegen Oberstadt


Rüschlikon (Zürich)/Frankfurt am Main, 8.4.2019 - Nun, der Titel der Studie, die vor ein paar Wochen gemeinsam vom Schweizer Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) und der deutschen Retail-Division von KPMG vorgestellt wurde, klingt wirklich nicht sehr versöhnlich: „Das Ende des Konsums“ wollen David Bosshart vom GDI und Stephan Fetsch von KPMG gemeinsam mit ihren Co-Autoren Karin Frick und Holger Wildgrube ausgemacht haben. 

Alles nur Panikmache? 

Schauen wir mal genauer hin. Der Blick der Autoren richtet sich 20-30 Jahre in die Zukunft. Virtuelle Erlebnisse kann jeder Konsument wo auch immer erleben - technisch ermöglicht per implantiertem Chip oder ähnlicher technischer Verfahren. Synthetisch und immersiv - ja klar, aber deshalb bloss Science-Fiction? 

Natürlich haben auch die Autoren keine Kristallkugeln auf ihren Schreibtischen stehen, aber denken Sie doch einmal daran, wieviele klassische Geschäftsmodelle in den vergangenen Jahren nahezu verschwunden sind. Die CD feiert heuer z.B. ihr 40-jähriges Jubiläum. CD? Ah, diese kleinen Silberscheiben, die von einem Laser abgetastet wurden - berührungs- und deshalb verschleissfrei. Die grosse Revolution in der damaligen HiFi-Welt. 

Und heute? Mit dem Aufkommen des iPods und ähnlich handlicher MP3-Spieler war Musik auf einen Schlag von ihrem physischen Trägermedium entkoppelt - und man konnte sich die Musik sogar gut anhören, wenn auch einige High End-Puristen und Messingenieure uns das Gegenteil weissmachen wollten. Aber damit nicht genug: Streamingdienste lösten sukzessive den Download von Musikdateien ab - jetzt musste man die Musikdateien noch nicht mal mehr im juristischen Sinn besitzen. Eine monatliche Abogebühr tut es - und wem auch das noch zu teuer scheint, lässt seinen Hörgenuss eben hin und wieder durch kleine Werbeeinblendungen unterbrechen - lästig, aber was soll’s? Merken Sie etwas? So ganz klammheimlich wurden die klassischen Musiklabels wie Sony, EMI BMG entmachtet - eine Fusion in diesem Bereich jagte die nächste. Aber keine half gegen das neue disruptive Geschäftsmodell der Streaminganbieter. 

Und die Künstler? Sie werden nach wie vor benötigt, verdienen aber mit ihren Musikkonserven kaum noch Geld. Das muss dann wiederum ganz analog durch Konzerte reinkommen. je mehr, desto besser. 

Aber wie schauen die Ergebnisse der vorliegenden Studie aus? Bereits bestehende Entwicklungen im Handel werden intelligent mit aktuellen Technologien und deren Zukunftspotentialen verwoben. Nicht fehlen dürfen hier die Künstliche Intelligenz, Neurotechnologie, Mixed Reality (also die nächste Entwicklungsstufe nach der Virtual Reality) und weitere Basistechnologien. Konsequenz: die „Entortung des Konsums“, so die Autoren. 

Unschwer zu verstehen, dass bei dieser Art von Erlebniswelten der Händler von nebenan - aber auch womöglich klassische Markenartikelhersteller - in dieser künftigen Konsumwelt nur noch Statistenfunktion haben werden. 

Natürlich kommen uns an dieser Stelle Titel wie Huxleys „Schöne neue Welt“ oder Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ in den Sinn - und warum auch nicht? 

Physische Grundbedürfnisse werden natürlich auch in dieser für den Handel dystopischen Zukunft befriedigt werden müssen - aber deshalb an jeder dritten Strassenecke eine Filiale von REWE, EDEKA, ALDI oder LIDL? 

So verorten die Autoren auch einen verbreiteten Attentismus innerhalb der Händlerschaft - ein Phänomen, das jedem bekannt ist, der sich mit dieser Branche beschäftigt. Solange es noch nicht richtig im eigenen Gebälk knirscht, geht’s munter weiter - „wie haben das doch schon immer so gemacht“. 

Und gerade hier setzt eine massgebliche Kritik der Studienautoren ein: Informationen über Märkte und Kunden bzw. deren Verhalten werden demnach immer wichtiger - „Schlüsselfaktor Datenreichtum“. Nur so könne der mobile und multihybride Konsument künftig erreicht - oder besser: „eingefangen“ werden? 

Gerade wird in Deutschland der Grundstein für die unbedingt notwendige basale Infrastruktur gelegt: die Versteigerung der Frequenzen für die 5G-Mobilfunknetze. Internet of Things - was willst Du mehr? Nur auf dieser technologischen Folie lässt sich die in der Studie künftig erforderliche „Zeitlogistik“ ausrollen und umsetzen. Eine immense Herausforderung auch in unserem Denken, hat Logistik doch traditionell viel mit Zeit, aber noch mehr mit dem Überwinden von Raum zu tun. Auch hier seien chinesische wie amerikanische Unternehmen schon deutlich weiter als ihre deutschen Kollegen. Und immer wieder Daten, Daten, Daten. 

Wann endet der Dornröschenschlaf endlich auch im deutschen Handel?

titelbild ende des konsums studie


GDI-Studie Nr. 46 / 2019 -
Herausgeber: GDI Gottlieb Duttweiler Institute, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Autoren: David Bosshart, Karin Frick, Stephan Fetsch, Holger Wildgrube

„Räume“ - über die Verschmelzung von Produkt- und Ausstellungskatalogen


2019-03-14 Magazin-Katalog

Magazin-Wohnbuch „Räume“ 2019


Stuttgart, 14.3.2019 - Bereits seit mehr als dreizehn Jahren entstehen im Auftrag der Stuttgarter MAGAZIN Versandhandelsgesellschaft mbH, kurz MAGAZIN, spannende Wohnportraits. 

Auf der Suche nach Antworten auf die zentrale Frage „Wie wohnen wir?“ geraten Alltagsgegenstände in ihren natürlichen Umgebungen - drinnen wie draussen - in den Mittelpunkt. Bislang ein Konvolut von immerhin mehr als „100 Räumen, Wohnungen und Büros von Kunden, Freunden und Bekannten“ - so das Vorwort von „Räume“, dem „Buch für Freunde“. 

Ein Schelm, der dabei nicht an einen sehr schön gemachten Möbel- bzw. Accessoires-Katalog denkt. Aber das trifft es nicht ganz. 

Während sich beim Erscheinen des ersten Manufactum-Katalogs im Jahre 1987 viele begeisterte Kunden darüber freuten, dass hier ja gar keine Produktwerbung zu finden sei (!), finden sich im Wohnbuch des MAGAZIN keinerlei Produktinformationen und auch keine Preisangaben. Fast ist man versucht, an den Ausstellungskatalog eines Designmuseums zu denken - aber auf den 312 vierfarbigen Seiten wird man auch kuratorische Anmerkungen vergeblich suchen. 

So eröffnet das „Buch für Freunde“ - zusammen mit dem MAGAZIN-Hauptkatalog, seinem Manufactum-Pendant (beide inzwischen direkt oder indirekt Teile der OTTO-Group) und dem grossen „IKEA-Bruder“ aus Schweden eine gänzlich neue Marketing- bzw. Vertriebs-Gattung, die ihrerseits wieder mit aktuellen Entwicklungen im stationären Einzelhandel korrespondiert. Läden mit „kuratiertem“ Sortiment sollen angeblich ja auch nicht mehr in erster Linie Produkte verkaufen, sondern die Kunden inspirieren und womöglich im Rausgehen, später im Café oder zuhause zum nachträglichen Online-Kauf des Gesehenen animieren.

EuroCIS - Im Maschinenraum des Handels der Zukunft


2019-02-20 EuroCIS Duesseldorf

EuroCIS - Retail Technology in Düsseldorf - 20.2.2019


Düsseldorf/Frankfurt am Main, 27.2.2019 - „Technology Never Sleeps“ - unter diesem hübschen Motto zeigte die Messe Düsseldorf zusammen mit dem Kölner EHI Retail Institute drei Tage lang die wirklich allerneuesten Neuigkeiten aus der Welt der Retail Technology. 

Und die Besucher kamen - und wie sie kamen. Mehr als 13.000 Gäste aus 94 Ländern informierten sich über Omnichannel-Lösungen, den Einsatz Künstlicher Intelligenz, das Internet of Things (IoT), kassenlose Shops à la Amazon Go oder mobile Zahlungslösungen. Dazu Unmengen an Scannern, Druckern, RFID-Etiketten, Digital Signages usw. 

Man musste schon einen ziemlich klaren Kompass haben, um in diesem „Männerparadies“ nicht sang- und klanglos unterzugehen. 

Die Veranstalter gaben im Vorfeld sicherlich ihr Bestes, um eine halbwegs klare Struktur in die Ausstellung zu bringen, aber natürlich fand dieses Bemühen bei der Belegung von lediglich zwei Hallen (9 und 10) (plus grosszügigem Atrium) seine klaren Grenzen. So gab es immer wieder überraschende Entdeckungen zu machen. 

Der ortsansässige Anbieter StrongPoint GmbH gehörte dazu. Er zeigte dem bislang im Omnichannel noch recht schwachen Lebensmitteleinzelhandel (LEH), wie er mit einer integrierten Logistiklösung vom Auftragseingang bis zur Auslieferung an die Haustür des Kunden oder an eine Packstation mit drei Temperaturbereichen (ungekühlt, Kühlung, Tiefkühlung) dieses Feld zukünftig bespielen kann. Dabei liegen die Vorteile für den Endkunden klar auf der Hand - freie Wahl bei der Zustellung der Einkäufe und für den Händler kommen ergänzend die Module für’a „Pick & Collect“ und die Routenoptimierung bei der Auslieferung dazu. 

Aber es ging auch drei Nummern kleiner. Für den optimierungswilligen klein- und mittelständischen Einzelhandel (oder auch die Gastronomie) bietet sich der Einsatz drahtloser POS-Drucklösungen des japanischen Herstellers StarMicronics an. „Out-of-the-Box“-Kassensysteme mit einem per Bluetooth, WLAN oder erstmals per AirPrint angebundenen Belegdrucker und einem iPad als intelligenten Monitor - dazu die Kassenschublade - fertig ist die Laube. Das fühlt sich fast schon so an wie im AppleStore.

À propos AppleStore und intelligentes Shopdesign: ebenfalls ein ganz grosses Thema auf der EuroCIS waren Digital Signages, also digitale Monitore, die für eine zeitgemässe Kommunikation mit den Kunden eingesetzt werden können: „Wie steht Ihnen diese Jeans in schwarz?“ „Kann ich den Sakko auch in rot tragen?“ Aber das ist beim aktuellen Stand der Technik lediglich der Einstieg. Aktuelle Digital Signages lassen sich mit der Warenwirtschaft verbinden, spielen besondere „Schnäppchen“ an die Kunden aus, fungieren als elektronisches Preisschild oder als „digitales Wegeleitsystem“. Hier kommt zunehmend auch das persönliche Smartphone der Kunden ins Spiel, welches dann als „Touchpoint“ genutzt werden kann.

Klar wird aber auch, dass viele dieser neuen beeindruckenden Technologien einen ausgeprägten Kundenfokus mitbringen müssen, um akzeptiert zu werden und vor allem eine höhere Konversionsrate zu erzielen. „Nice to have“ ist schön, aber gerade die angesprochene KMU-Klientel wird sich ganz konkret überlegen (müssen), welchen Kundennutzen die jeweilige Investition hat. Um am Beispiel der Digital Signages zu bleiben: helfen die ausgespielten bzw. angezeigten Informationen den Kunden, ihren Einkauf peppiger, einfacher, schneller oder informierter zu gestalten - sehr gut. Ansonsten - ab dafür.

Aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus: wir erleben das als Kunden gerade in den DM-Drogeriemärkten. Hier informieren sich die Mitarbeiter für und mit ihren Kunden über eine spezielle App auf ihren Diensthandys über Produktdetails, Inhaltsstoffe, allergenes Potential usw. Ausbaufähig ist diese Technologie - und auch das zeigt die Messe - um zusätzliches Cross-Selling-Potential - die Verbindung zu anderen Abteilungen im Geschäft, Angeboten, Produkt-Bundles oder in den Online-Shop.

Abschliessend noch zu den sich weiter ausdifferenzierenden Bezahlmöglichkeiten - dieser Schritt ist ja für alle Beteiligten nicht gerade unwesentlich. Auf der einen Seite schnell, bequem und sicher - für Händler wie Kunden - auf der anderen Seite aber auch so unauffällig wie möglich - Geldausgeben soll ja auch nicht weh tun - und schon gar nicht den Kunden. 

So erweitert sich einerseits stetig die Palette der angebotenen bzw. akzeptierten unbaren Zahlungsmöglichkeiten wie jüngst z.B. durch Apple Pay, vielfach wird aber auch die schnell weiter wachsende Kundenklientel aus China und deren Gewohnheiten in den Blick genommen: Alipay oder WePay - um nur die erfolgreichsten zu nennen - wenn irgend möglich noch in Kombination mit ergänzenden Rabatt- oder Kundenbindungsprogrammen. 

Auf der EuroCIS waren in diesem Bereich z.B. die S-Payment GmbH, die VR Payment  GmbH - deren beider Fokus klar auf dem Stärken des regionalen Handels liegt (gerade auch Bäcker, Metzger, Markthändler), wirecard oder die Worldline/SIX Payment Services vertreten.

Speziell zu diesem Thema findet vom 7.-8. Mai 2019 ein sicherlich spannender Kongress des EHI Retail Institute statt. 

NET & WORK - Eine E-Commerce-Messe mit besonderem Format


2019-02-16 NET + WORK The Squaire Frankfurt am Main 50

NET & WORK - Die E-Commerce-Messe 2019 - The Squaire am Frankfurter Flughafen


Frankfurt am Main, 16.2.2019 - „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen ist schon ein aussergewöhnliches Gebäude - von aussen betrachtet wirkt es wie ein riesiges U-Boot im Trockendock - von innen, grosszügig, luftig, hell und futuristisch. 

Der richtige Ort also für eine IT-Messe, die dem (Einzel-)Handel den Weg in die Zukunft weisen möchte - NET & WORK. Veranstaltet von der Händlerbund Management AG - kurz Händlerbund - mit Sitz in Leipzig. 

Die Organisation kümmert sich seit 2008 als „360° E-Commerce-Netzwerk“ um sämtliche Belange von Online-Händlern, darunter so wichtige Themen wie Rechtsberatung, DSGVO, Unterstützung bei Abmahnungen, Inkassoservice und vergibt darüber hinaus ein „Online-Gütesiegel Käufersiegel“ - natürlich nur beim Vorliegen bestimmter Qualitätskriterien auf Seiten des Online-Shops. Aktuell betreut der Händlerbund nach eigenen Angaben mehr als 80.000 Onlinepräsenzen.

Aber zurück zur NET & WORK. Über den Tag verteilt informierte sich eine deutlich vierstellige Besucherzahl (darunter anscheinend nur wenige rein stationäre Händler) über neueste Entwicklungen im E-Commerce. Das Programm war reichhaltig - es umfasste sowohl eine Messe mit rund 75 Ausstellern aus den vier Themenbereichen

  • Marktplätze & Payment
  • Logistik & Internationalisierung
  • Online-Marketing
  • Shopsysteme & Tools

als auch ein abwechslungsreiches und hochaktuelles Vortragsprogramm.

Man musste jetzt nicht unbedingt ein Fan des Keynote Speakers Oliver Pocher sein, ehemaliger TV-Sidekick Harald Schmidts, um hier auf seine Kosten zu kommen. Aber gelohnt hat sich Zuhören und -schauen bei dessen launigem Einstieg in die Veranstaltung allemal. 

In über 60 Vorträgen und Präsentationen aus den genannten Themenbereichen tankten die Besucher sowohl Überblickswissen („Unternehmenskultur als Schlüssel zum Erfolg“) erfuhren aber auch ganz praktische Unterstützung wie z.B. beim Vortrag „Google Strafen verstehen, entfernen, vermeiden“ - hier „stapelten“ sich die interessierten Zuhörer geradezu. Technisch mit Kopfhörer und -Verstärker ausgestattet, war es jederzeit ein Vergnügen, den Vorträgen zu lauschen. Um zwischendurch wieder zu Kräften zu kommen und angenehmer untereinander netzwerken zu können, war an zahlreichen kalten und warmen Buffets für das leibliche Wohl der Besucher, Aussteller und Vortragenden gesorgt - Stationen für Kaffee und Tee sowie Kühlschränke mit Erfrischungsgetränken rundeten das Bild ab.

Aus zahlreichen Gesprächen mit Besuchern und Ausstellern zeichnete sich ein äusserst gelungenes Bild von Konzeption und Inhalt der NET & WORK ab. Wenn es überhaupt einen zarten Kritikpunkt gegeben haben mochte, dann war es eher das schier überbordende thematische Angebot - gerade im Vortragsbereich und der Parallelität vieler spannender Präsentationen. Natürlich mag nicht jeder Referent locker-strahlend Einblick in seine Präsentationsunterlagen geben - aber wo dies machbar ist, wäre vielen Besuchern auch nachträglich geholfen - gerne auch in Form eines Tagungsbandes, -PDFs oder eines geschützten Bereiches auf der Website der Veranstaltung. Und das Format auf zwei Tage zu erweitern, wäre ebenfalls eine Überlegung wert.

So bleibt als Fazit der NET & WORK - organisiert in einer ja nicht gerade armen Veranstaltungslandschaft zum Thema E-Commerce - : ein absolut gelungener Tag mit sehr umfassenden Informationsmöglichkeiten in einem durchweg kommunikativen Umfeld, sehr professionell organisiert und ebenfalls sehr zugewandt betreut durch die zahlreichen Kolleginnen und Kollegen vom Händlerbund (in individuellen Namens-T-Shirts). Viele, Autor eingeschlossen, werden sich auf eine Fortsetzung des Formates im nächsten Jahr freuen.

AMBIENTE 2019 - neue Dimension der Konsumgütermesse? Eine Nachlese.


2019-02-11 AMBIENTE Frankfurt am Main 50

AMBIENTE 2019 - Eingang zur neuen Halle 12


Frankfurt am Main, 12.2.2019 - Mein lieber Scholli, das war ein Marketing-Getrommel im Vorfeld der AMBIENTE - gefühlte dreizehn Monate lang kommunizierte die Messegesellschaft Neukonzeption der Hallen sowie das Rahmenprogramm. Nicht ganz erfolglos, wie Besuch und offizielle Zahlen der Messe belegen.

Bereits vor Beginn der diesjährigen Ausstellungssaison stellte Messegeschäftsführer Detlef Braun einen Management Report vor, der in Zusammenarbeit mit dem IFH Köln entstand - „Der Strukturwandel im deutschen Handel“. Diese sehr lesenswerte kleine Broschüre - die natürlich auch nicht ohne den Verweis auf die turbulente VUKA-Welt im Vorwort auskommt (sich aber meistens in der Variante des englischen Akronyms VUCA präsentiert) - enthüllt im Fortgang der Darstellung, dass in den kommenden Jahren in der Tat wenig Ziegelsteine im stationären Handel an ihrem Platz bleiben werden.

Auf der einen Seite der vom Gigatrend „Convenience“ beförderte weitere Aufstieg des E-Commerce, der dem stationären Handel bei Umsatz und Marktanteilen zu schaffen macht und diesen häufig in Kosten-/Ertragsstrukturen drückt, die ein weiteres Überleben unmöglich machen. Auf der anderen Seite ein Versagen des - häufig kleinteiligen - Fachhandels im Umgang mit den notwendigen Digitalisierungskonzepten.

Natürlich macht dieses sukzessive Ausbluten des Präsenzhandels auch der Messe Frankfurt und ihrem Konsumgüterbereich zu schaffen: denn in den Jahren 2000 bis 2017 sind schon mal flugs 100.000 Einzelhandelsunternehmen (über sämtliche Handelsformen betrachtet) über die Wupper gegangen - aktuell dürfte deren Zahl bei deutlich unter 300.000 liegen - Tendenz fallend (oder steigend - je nach Standpunkt).

Im genannten Zeitraum können aber wiederum die stationären Händler mit Multichannel-Angebot ihren Umsatz von 7 Milliarden auf 18 Milliarden Euro (2017) steigern.

Nicht zuletzt das Internet bietet den Konsumenten optimale Informationsmöglichkeiten über Produkte bzw. Dienstleistungen und drängt das traditionell vor einer Kaufentscheidung geschätzte Beratungsangebot im Handel in den Hintergrund. 

Versäumt der stationäre Handel es dann auch noch, den Zug Richtung Digitalisierung in letzter Minute zu erreichen, wird es düster.

Und für die Messe: klar - die geschilderte Entwicklung hat Auswirkungen auf der Besucherseite, damit auf der Ausstellerseite und letztlich rückwirkend auf die Angebotspalette einer Konsumgütermesse wie der AMBIENTE. 

Aber die Messe hat wahrnehmbar reagiert. Dabei spielt (trotz Renovierung der Halle 6) das enorm luftige Platzangebot der erstmals für die AMBIENTE genutzten neuen Halle 12 eine besondere Rolle. Über Umplatzierungen der Aussteller und Re-Integration zu heute handelsüblichen Warenwelten (v.a. auch in der Halle 11 zu bestaunen) bekommen die Besucher eine intensivere Vorstellung von ihren eigenen Präsentationsmöglichkeiten und können dadurch ihr Orderverhalten optimieren.

In objektiven Zahlen des Schlussberichtes der Messegesellschaft Frankfurt liest sich das so: 

„Mit sehr guter Stimmung und gestiegenen Besucherzahlen geht nach fünf Tagen die Weltleitmesse für Konsumgüter in Frankfurt zu Ende. 136.000 Fachbesucher aus 166 Ländern orderten auf der Ambiente 2019 für ihre Geschäfte die neuesten Produkte aus der ganzen Welt, holten sich Inspirationen für die Inszenierung am PoS und Impulse für die digitale Zukunft.“

Die fünf Besuchertage der AMBIENTE spielten sich mit 306.500 Bruttoquadratmetern auf einer minimal kleineren Fläche als im Vorjahr ab (308.000). Für die einen positiv - für den deutschen Handel betrachtet sicherlich weniger: 85 Prozent der heuer 4.451 Aussteller kamen aus dem Ausland (2018: mit 4.376 Ausstellern 81 Prozent).

Im Gespräch mit Messebesuchern und Ausstellern zeigte sich jedoch ein nach Hallen und Sortiment durchaus unterschiedliches Echo: Während beispielsweise die Aussteller in der Halle 3 (GPK) und der Halle 11 (Wohndesign, PBS) mit Frequenz und Umsätzen zufrieden waren, fiel das Bild in der neuen Halle 12 und einigen anderen Hallen deutlicher auseinander. Hier kamen die Aussteller - gerade auch an den Tagen mit Einkäuferbesuchen für die grösseren Handelsformate - nach eigenen Aussagen nur bedingt auf ihre Kosten.

Dennoch - die neue Infrastruktur mit optimierter Erreichbarkeit der Hallen über die Via Mobile, Sonderschauen wie „HAND MAKE“ des diesjährigen Partnerlandes Indien, die traditionelle Verleihung des Negativpreises „Plagiarius“, Kochshows, die AMBIENTE Academy mit Fachvorträgen für neue Handelskonzepte, die Talents, die Future Thinkers, der Ethical Style Guide, den German Design Award oder auch die für das Objektgeschäft konzipierte Contract Business & Horeca bilden ein sehr professionelles Rahmenprogramm für die eigentliche Messe und belegen, dass es die Frankfurter Messegesellschaft mit ihren ambitionierten Aussagen zur Weiterentwicklung der Konsumgütermessen ernst meint.

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Sondershow „Plagiarius"

Weniger gelungen fanden wir die Sonderschau Solutions (GPK-Produkte vor dem Eingang zur Halle 4), den Point of Experience im Verbindungsgang zwischen Via Mobile und den Hallen 3 und 4 (hier wurden Lösungen für die Digitalisierung am POS gezeigt) oder die Trendschau in der Galleria. Das hat man entweder auf anderen internationalen Messen schon mal inspirierender erlebt oder - wie am Point of Experience - war der Erkenntniswert begrenzt.

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Sondershow "Point of Experience"

Ein paar Fragen bleiben - wie bei den vergangenen Messen - offen.

Warum findet keine „Verlängerung“ der Messe in die innovativen Geschäfte der Innenstadt statt?

Warum nutzt man nicht die aktuelle Bauhaus-Sonderausstellung im Frankfurter Museum für angewandte Kunst zum Thema „Moderne am Main 1919-1933“ - um zusätzliche Querverbindungen herzustellen. Der „Sprung“ über den Main mit der Strassenbahnlinie 16 wäre ein ganz kurzer.

Warum ergänzt man die Messeschau nicht nach dem Kölner Möbelmesse-Konzept der „Passagen“ und mietet sich in Pop up-Stores oder attraktive Veranstaltungsräume ein?

Enden wir aber versöhnlich. Auf der diesjährigen Pressekonferenz zum Start der AMBIENTE liess Detlef Braun, Messegeschäftsführer, doch noch eine spannende Katze aus dem Sack: zusammen mit dem EDI-Dienstleister nmedia und der Bielefelder EK/servicegroup baut die Messe Frankfurt einen internationalen B-2-B-Marktplatz auf, der - analog zu den Präsenzmessen - Hersteller und Händler digital vernetzen soll. Das Projekt soll unter dem Namen „nextrade“ firmieren. Hierzu die Pressemitteilung der Messe Frankfurt:

„Die digitalen Geschäftsmodelle führen zu massiven Konsolidierungen im Handel. Zwischen 2000 und 2017 mussten allein in Deutschland 100.000 Einzelhandelsgeschäfte schließen. Hier sehen wir Handlungsbedarf, aber auch konkrete Stellhebel für den zukünftigen Erfolg. Deshalb möchten wir als Messe Frankfurt Aussteller und Handel mit einem neuen, digitalen Ordertool im Netz gezielt unterstützen. Als Vermarktungs- und Vertriebspartner von nmedia gibt die Messe Frankfurt Ausstellern und Besuchern der Konsumgütermessen zukünftig ein weiteres Werkzeug an die Hand, um im zunehmend härter werdenden Wettbewerb zu bestehen. Wie auch auf unseren Messen führen wir hier Angebot und Nachfrage perfekt zusammen‘, so der Geschäftsführer der Messe Frankfurt, Detlef Braun.

Gemeinsam mit nmedia, dem Marktführer im Bereich Electronic Data Interchange (EDI) in Europa, wird die Messe Frankfurt nextrade aufbauen und hat sich aus diesem Grund an der nmedia GmbH beteiligt. Bereits heute übersetzt nmedia mit dem EDI-Clearing-Center die Sprache der IT-Systeme von Lieferant und Händler und ermöglicht so die automatisierte Order von Produkten und Sortimenten. Dadurch werden Bestellungen vollautomatisiert vom System des Händlers generiert und in das System des Lieferanten gespielt. So lassen sich Ressourcen- und Kosteneinsparungen sowie Effizienzsteigerungen für die Lieferanten und Händler realisieren.

Aufbau digitaler B-to-B Marktplatz nextrade

Sämtliche führende Lieferanten und Händler sind bereits Kunden von nmedia. Somit ist es der ideale Partner zum Aufbau eines B-to-B Markplatzes für den gesamten Konsumgüterbereich. Für den Aufbau von nextrade wird nmedia seine im Portfolio befindlichen 1.000 Händler und 500 Lieferanten von der EDI-Plattform in den neuen Marktplatz überführen. Als Vertriebspartner wird die Messe Frankfurt neue Lieferanten und Händler, die Teil des Marktplatzes sein möchten, akquirieren.

Die Lieferanten pflegen die Daten ihrer Artikel auf dem Marktplatz in einen jeweils eigenen Webshop ein. Händler können dann über nextrade in den einzelnen Webshops nach Freischaltung durch den jeweiligen Lieferanten digital, zentral und über einen Kanal bestellen, statt manuell bei jedem Lieferanten einzeln zu ordern. Mit dem Marktplatz nextrade wird die Messe Frankfurt einmal mehr zum Partner für die digitale Transformation der Branche.“

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Sonderpräsentation „60 Jahre mono“ 1959-2019

Paperworld & Co. in Frankfurt - ein Klassiker erfindet sich (fast komplett) neu


2019-01-28 Paperworld Durchgang Hallen 3-4 Frankfurt am Main 2

Paperworld 2019 - Fair Shop im Verbindungsgang der Halle 4


Frankfurt am Main, 30.1.2019 - Kaum ist der heimische Christbaum (oder auch der im Laden) abgeschmückt und entsorgt, geht’s auch schon wieder auf zu den ersten Konsumgütermessen des Jahres. Christmasworld, Paperworld und die von vielen Besuchern sehr geschätzte Creativeworld gehören heuer mit insgesamt 87.000 Besuchern aus 161 Ländern (Zahlen der Messe Frankfurt) sicherlich zu den bedeutendsten Frühjahrsmessen. Gut 3.100 Aussteller aus 68 Ländern, darunter lediglich noch 17% aus Deutschland, bestücken die drei Veranstaltungen. 

Dabei schiebt sich die Messe rund um’s festliche Weihnachten und saisonale Dekoration in ihrer Bedeutung und Wertschätzung weiter nach vorne. In diesem Jahr kommt erstmals die neue Halle 12 mit zwei Ebenen bei der Infrastruktur der Christmasworld ins Spiel. Dazu die Hallen 8, 9 und 11 sowie die übersichtliche Floradecora in der Galleria. Der Trend zu Spezial Shows zeigt sich auch bei der Christmasworld: die findigen niederländischen Designer von 2dezign präsentieren mit dem „Kinemona Village“ eine traditionelle Weihnachtswelt in Safrantönen - ein wenig Sonne in der trüben Jahreszeit zaubert vielen Besuchern ein Lächeln auf’s Gesicht. 

Trendshows des Frankfurter Stilbüro bora.herke.palmisano zeigen vier unterschiedliche Weihnachts- bzw. Dekowelten und bieten in ihren „Trend Talks“ auch gleich eine mehr oder weniger philosophisch-überhöhte Interpretation ihrer Inszenierungen an. Aber das gehört natürlich auch zum Spiel - und den Besuchern bleibt es letztlich überlassen, ob und wie sie den Transfer im Kopf und zu ihren eigenen Verkaufsflächen gestalten. 

Spannend auch die Inspirationsmöglichkeiten für die Grossfläche, Shopping Center oder ganze Innenstädte. Hier denken die Verantwortlichen der Frankfurter Messe deutlich weiter, als bis zum nächsten Tannenwäldchen. Natürlich gibt es auch auf der Christmasworld Fachvorträge und das Megathema „Verbinden von stationärem Handel und E-Commerce“ ist allenthalben präsent.

Die Paperworld spielt im Messetrio mit 1668 Ausstellern aus 64 Ländern eine besondere Rolle. Allerdings scheint der Lauf vieler Messebesucher gerade hier etwas zu „quietschen“: Die Halle 6.1 - bislang Heimat der eher designorientierten Aussteller und solchen mit hochwertigem Sortiment, darunter viele aus Deutschland, Europa und den USA - wird saniert und steht dem Messebetrieb folglich nicht zur Verfügung. „Halb verschluckt“ wird auch die traditionelle Trend-Sondershow - bislang im Übergangsdreieck zwischen der Via Mobile und den Hallen 5.1 und 6.1 angesiedelt (und nun Teil der 3.1). Viele der hiesigen Aussteller finden sich nun ebenfalls  in der Hallenebene 3.1 wieder - was der Standstruktur und -qualität nicht unbedingt frömmen muss. 

2019-01-28 Paperworld Trendshow 3 1

Sondershow Halle 3.1

Als Besucher und im Gespräch mit Ausstellern und Fachpublikum spiegelt sich dieser Eindruck wieder: viele Stände wirken in der imposanten Halle 3.1 fast etwas verloren, andere scheinen sich eher etwas zu „muskulös“ zu präsentieren. Vielleicht rührt auch daher der Eindruck, dass die Dichte der Fachbesucher in den Gängen wie auf den Ständen häufig sehr übersichtlich ist - lange Gesichter bei gelangweilten Ausstellern eingeschlossen. Allerdings sieht es in der Halle 5.1 - hier überwiegend asiatische Aussteller mit OEM-Verbrauchsmaterialien für Drucker & Co. - der „Remanexpo“ auch nicht wirklich besser aus.  

Richtig verstanden, auch der Paperworld merken die Besucher an, dass neben den reinen Standpräsentationen auch die Konzeption des Rahmenprogramms grosse Aufmerksamkeit erfährt - gerade dem kleinen und mittelständischen Fachhandel wird hier - soweit die Offenheit vorhanden ist - echter Mehrwert auf dem Messerundgang geboten, zumal die Ausstellung in der Hallenebene 3.0 schon deutliche Anleihen bei der Kölner Fachmesse „Orgatec“ nimmt - nicht zu vergessen die Sonderschau „Lernen der Zukunft“ in 4.0 - hier werden Messeformate wie die „Didacta“ oder die „Learntec“ adressiert.

2019-01-28 Paperworld Trendshow 3 1-2

Sondershow Halle 3.1

Last but not least - die Creativeworld, mit 362 Ausstellern aus 44 Ländern zwar die kleinste Teilmesse - allerdings mit dem weiter wachsenden Handelssegment DIY, Malen, Zeichnen, Basteln und Gestalten. Händler können sich auch hier durch sehr praxistaugliche Veranstaltungen wie das „Urban Art Lab“, das „Fachhandelskonzept 4.0 - Upgrade your Store“ oder die „Creativeworld Trends 2019/20“ inspirieren lassen und direkt umsetzbare Anregungen und Präsentationskonzepte mit nach Hause nehmen. Und wer von Ihnen gelegentlich in diesem Handelssegment unterwegs ist, weiss auch, dass diese Karte von zahlreichen Händlern gezogen werden sollte.

Was bleibt also nach den vier bzw. fünf Messetagen? Auf der einen Seite sicherlich die Erfahrung, dass die Frankfurter Messemacher sich bemühen, ihre klassische Besucherklientel aus dem immer noch weitgehend mittelständisch geprägten Fachhandel einzusammeln und durch neue Ideen zu inspirieren, auf der anderen Seite aber auch der Versuch, sich enger mit den politisch Verantwortlichen für die Gestaltung der Innenstädte zu verzahnen, denn deren Bedeutung und Zukunft erscheinen in vergleichsweise rosigen Farben - allerdings wird nach Einschätzung vieler Experten (wie z.B. kürzlich der Münchner CIMA) der Einzelhandel in seiner jetzigen Form zu dieser Farbpalette immer weniger beitragen. 

Bleibt die nicht zum ersten Mal geäusserte Anregung, die innovationsfreudigen Händler Frankfurts (oder auch der Region) anlässlich der Konsumgütermessen wie den besprochenen oder der bevorstehenden Ambiente, stärker mit ins Messegeschehen einzubeziehen - bei der Heimtextil hat das jahrelang mit dem Konzept „…goes City“ gut funktioniert. Aber vielleicht steht dem ja auch eine geänderte Motivationslage der Händler angesichts knapper werdender Ressourcen und zurückgehender Margen gegenüber? 

Auffallend auch die weiter zurückgehende Bedeutung heimischer Aussteller. Liegt es an den Ausstellungskosten, die auch bei überschaubaren Standgrössen schnell mal den Einsatz höherer fünfstelliger Summen erfordern oder umgekehrt an den Export- und Messesubventionen, die gerade bei unserem bedeutendsten fernöstlichen Handelspartner anscheinend sehr grosszügig ausgereicht werden? Und wie schaut es mit der auch nicht gerade neuen Idee einer kuratierten Messe bzw. Messeteils aus? Auch hier gäbe es genügend potentielle Schwerpunkte - nicht nur, aber natürlich auch rund ums Thema Design.

Update 4 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-09-06 PIXABAY Fusionsgespraeche Kaufhof-Karstadt Deal closed

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Toronto/Wien, 27.1.2019 - “…da denk i ma doch / Es hat wohl so kumma müassn / I glaub oiwei / Du hast as so wolln, Willy“. 

Konstantin Wecker hatte im legendären musikalischen Nachruf auf seinen von einem Neo-Nazi erschlagenen Freund 1977 sicherlich anderes im Sinn, als dereinst damit in einem Intro zur Fusion zweier Warenhauskonzerne zitiert zu werden - ich bitte um Nachsicht, sehr verehrter Herr Wecker.

Aber der Gehalt der Worte trägt leider auch in unserem Kontext - nur sollte man den Namen „Willy“ durch andere ersetzen - Sie haben da sicherlich schon einige im Kopf.

Als im Herbst 2018 die Fusion von Karstadt und Kaufhof zur „Deutschen Warenhaus AG“ unter dem juristischen Dach der österreichischen Signa Retail von René Benko vollzogen wurde, waren die Befürchtungen um die Zukunft der beiden Kaufhauskonzerne gross.

Welche der bestehenden Standorte sollten abgebaut, wieviele der Mitarbeiter entlassen werden, welche Umstrukturierungen würde es geben?

Nach einem guten Vierteljahr sehen die Beteiligten klarer - und das dürfte vielen Mitarbeitern des neuen Unternehmens den Start ins Jahr 2019 gehörig vermiessen.

Die ausführliche Pressemitteilung der Karstadt Warenhaus Kommunikation vom vergangenen Freitag (25.1.) titelt „Geschäftsführung stellt umfassendes Sanierungskonzept für Galeria Kaufhof vor“ und lässt nicht nur eine Katze aus dem Sack.

Galeria Kaufhof wird demnach „in derzeitigem Zustand“ die Überlebensfähigkeit abgesprochen - es bestünde ein „kurzfristiger Finanzbedarf in dreistelliger Millionenhöhe“ - die Kosten sollten deutlich reduziert, die Unternehmenszentralen in Essen zusammengelegt und - 2.600 Vollzeit-Mitarbeiterstellen abgebaut werden (im Handel mit seinem hohen Teilzeit-Anteil summiert sich das schnell mal auf gut 4.000 - 5.000 Jobs).

Mehrere Argumente für die geplanten Einschnitte bei Kaufhof führt die Karstadt-Unternehmensführung in der PM an:

  • im November 2018 musste die SIGNA Galeria Kaufhof bereits mit einem „signifikanten“ Millionenbetrag „stabilisieren“
  • im Weihnachtsgeschäft stellte sich das Filialergebnis von Galeria Kaufhof umsatzbezogen auf minus vier Prozent; online auf minus 1 Prozent (jeweils gegenüber Vorjahreszeitraum)
  • das im Anschluss an die Fusion umgehend gestartete Sanierungsprogramm „Turn 2 Win“ zeitigt nicht die gewünschten Effekte bei der Galeria Kaufhof - im Frühjahr 2019 seien bereits „weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe“ notwendig

„Dr. Stephan Fanderl, Geschäftsführer SIGNA Retail und CEO des Warenhausunternehmens: 'In seinem derzeitigen Zustand ist Galerie Kaufhof langfristig nicht überlebensfähig. Die wirtschaftliche Gesundung von Karstadt Warenhaus zeigt aber, dass perspektivisch das Warenhausgeschäft in Deutschland insgesamt wieder erfolgreich und profitabel betrieben werden kann. Die bei Karstadt laufende Strategie des vernetzten Marktplatzes der Zukunft funktioniert. Sie kann jedoch nur auf Galeria Kaufhof ausgerollt werden, wenn dieses Unternehmen wieder auf einer stabilen Grundlage steht.‘ " 

Der aktualisierte Sanierungsplan für die Galeria Kaufhof konzentriert sich auf folgende Massnahmen:

  • zentrale Aufgaben der bisherigen Kaufhof-Verwaltung werden von Köln nach Essen zur Karstadt-Zentrale verlagert (Führung und Verwaltung) - Wegfall von ca. 1.000 Vollzeitstellen und „Einsparung von Sachkosten in Millionenhöhe“ sowie Zugewinn an „Schnelligkeit und Effizienz“
  • Abbau unnötiger Hierarchieebenen und vorhandener Doppelfunktionen
  • Köln bleibt für das gesamte Unternehmen von grosser Bedeutung - „(h)ier soll ein Kompetenz­Center für Digitalisierung und eCommerce aufgebaut werden (-) auch das Off Price­Geschäft behält hier seinen Sitz“
  • Verwaltung von „Gastronomie (Le Buffet und Dinea) und Lebensmittelgeschäft (Karstadt Feinkost und Galeria Gourmet)“ soll in Köln-Porz konzentriert werden
  • die 15 Food-Abteilungen sowie der Lebensmitteleinkauf von Galeria Kaufhof werden mit Karstadt Feinkost fusioniert
  • es sind keine weiteren Filialschliessungen geplant - die bestehenden Häuser von Galeria Kaufhof und Karstadt werden als „wertvolle innerstädtische Logistikstandorte“ betrachtet - „Doppelstandorte bieten (…) besondere Chancen zur Schwerpunktbildung und Differenzierung“
  • Neuer bei Karstadt bereits etablierter Kundenfokus wird künftig auch bei Galeria Kaufhof und deren Filialen angestrebt - "Warenservice", "Verkauf/Beratung" und "Kasse" (d.h. weitere Spezialisierung der Mitarbeiter, Umsetzen in niedrigere Gehaltsgruppen und zusätzlicher Einsatz externen Personals - auch in der Beratung durch Handelsagenten der Hersteller und Lieferanten, MB)
  • „gemeinsame Verbundstruktur“ der Galeria Kaufhof- und Karstadt-Filialen unter Leitung „des neuen Vertriebschefs Thomas Wanke“
  • zusammengenommen ist hier der Abbau weiterer 1.600 Vollzeitstellen geplant
  • die beiden „Offprice“-Segmente „Look & Viel“ sowie „Saks Off 5th (HBC)“ werden nach ihrer Zusammenlegung neu ausgerichtet - Pilotprojekte neuer inhouse-Shops sollen sowohl in Karstadt- als auch in Galeria Kaufhof-Filialen pilotiert werden - die Möglichkeiten der „cross-channel-Vermarktung“ (auch) dadurch gestärkt werden
  • Karstadt Sports als Wachstumstreiber könnte in bestehende „Saks Off 5th“-Filialen expandieren
  • Karstadt Reisen soll auch in den Galeria Kaufhof-Filialen Synergieeffekte schaffen
  • Galeria Kaufhof kündigt den aktuellen Flächentarifvertrag mit ver.di auf und strebt die Verhandlungen zu einem Sanierungstarifvertrag an - ver.di bezeichnete die vorgestellten Pläne spontan als „untragbar“

Betriebswirtschaftlich liest sich das vorgestellte Sanierungskonzept trotz aller geplanten Einschnitte auf den ersten Blick vernünftig und die Erhaltung der Standorte ist ebenfalls von immenser Bedeutung für die Zukunft des innerstädtischen Handels, wirken Kaufhausfilialen doch als Magnet zur Stabilisierung und Führung der Kundenfrequenz. Dennoch haben wir grosse Zweifel an der langfristigen Zukunft der gemeinsamen Warenhausunternehmung. In jüngeren Kundenzielgruppen ist das Konzept „Kaufhaus“ extrem „out“ - und nicht zuletzt durch die kontinuierliche Restrukturierung des Markenangebots und der Produktpalette findet sich auch die noch aktive Käuferschicht ab 35 immer seltener in den Filialen von Karstadt und Kaufhof zurecht.

Deutschlandweit warten immerhin werktäglich an 240 Standorten aktuell noch rund 32.000 Mitarbeiter auf ihre Kunden - möge das auch in der Zukunft so bleiben. 

***

Köln/Essen/Toronto/Wien, 11.9.2018 - Wie mehrere Medien berichten, ist die Fusion von Karstadt und GALERIA Kaufhof jetzt endgültig vollzogen worden. Aktuell beschäftigt das neue Unternehmen Deutsche Warenhaus-Holding zusammengenommen 32.000 Mitarbeiter an 243 Standorten. Die Immobilien teilen sich die SIGNA und die kanadische HBC zur Hälfte - wobei das GALERIA Kaufhof-Haus in Köln sowie das Carsch-Haus in Düsseldorf zu 100 Prozent an René Benkos SIGNA gehen.

Neben Karstadt und GALERIA Kaufhof umfasst der Handelsriese künftig auch die niederländischen HBC-Kaufhäuser, die belgischen Galeria-Inno-Warenhäuser, Saks Off 5th, Karstadt Sports sowie die Lebensmittel- und Gastronomiesparten der beiden Ursprungsunternehmen. Dazu Karstadt.de, Kaufhof.de sowie weitere Online-Shops.

Zu den weiteren Konsequenzen der Fusion die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf ihrer Website:

Beide Seiten versprechen sich von ihrer ‚Fusion unter Gleichen‘ auch Einsparungen. In der Kaufhof-Belegschaft jedoch gibt es Ängste vor einem erheblichen Sttellenabbau. Details zu Sparplänen nannten HBC und Signa bislang nicht. Fachleute halten es allerdings für wahrscheinlich, dass sich Geld sparen lässt, indem einer der beiden Hauptsitze der bisher getrennten Ketten geschlossen wird. Zudem sind Filialschliessungen wahrscheinlich. Potential gibt es auch in der Logistik und beim Einkauf, denn die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen.

Laut Angaben der Lebensmittel-Zeitung und Bild am Sonntag ist René Benkos SIGNA-Holding bereit, 250 bis 300 Millionen Euro in die Sanierung der GALERIA Kaufhof-Sparte zu stecken - Sozialpläne eingeschlossen.

Vorab werden sich nicht zuletzt die deutschen Kartellbehörden intensiv mit der Fusion beschäftigen - Markt- und Einkaufsmacht der Deutsche Warenhaus-Holding sind künftig nicht zu unterschätzen.


Spannend und ergänzend hierzu der historische Überblick von Jerome Busch (FAZ) zum Verschwinden der deutschen Kaufhäuser.

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Köln/Essen, 6.9.2018 - Wie Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de exklusiv berichtet, ist der Übernahmedeal der GALERIA Kaufhof AG durch Karstadt in trockenen Tüchern, die Banken überzeugt. Unterzeichnet werden soll der Deal in den nächsten Tagen - bis zum 15. September 2018.

Demzufolge werden die Geschäfte der beiden Warenhausriesen zu einem Joint Venture zusammengelegt; Signa Retail, Teil des Immobilienkonzerns René Benkos, wird die Mehrheit daran halten.

Der neue Warenhauskonzern wird dann nach dem spanischen Wettbewerber El Corte Inglés an zweiter Stelle in Europa rangieren. Allerdings werden solche Transaktionen ja nicht aus reiner Freude an Grösse geschlossen, sondern nicht zuletzt, um Kostenvorteile zu realisieren. Dazu wird auch im aktuellen Fall der Wegfall von rund einem Viertel der 20.000 Stellen bei der GALERIA Kaufhof führen - mutmasslich verbunden mit Lohnkürzungen bei den verbleibenden Mitarbeitern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrags. Michael Kläsgen zufolge werden Sozialpläne erstellt werden - er erläutert zusammenfassend dazu:

„Wie die SZ aus Bankenkreisen erfuhr, soll Signa das gesamte Management des Gemeinschaftsunternehmens stellen. Geführt werden soll es vom derzeitigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der auch Chef der Einzelhandelssparte von Signa ist, sowie von Karstadt-Finanzchef Miguel Müllenbach. Von HBC soll niemand am Management beteiligt sein. Deren Vertreter sollen im Aufsichtsrat sitzen. Das sei eine Forderung der Banken gewesen sein, hiess es. 

Faktisch übernimmt Signa 50,01 Prozent am Warenhausgeschäft des Joint Ventures. Zwei Immobilienpakete, eines mit 41 Häusern, ein anderes mit 18 Gebäuden, teilen sich beide jeweils zur Hälfte. Der Kredit, den das Bankenkonsortium vor drei Jahren den Kanadiern bewilligte, um den Kauf von 41 Kaufhof-Immobilien zu finanzieren, läuft weitere sieben Jahre. Das beschlossen die Vorstände der beteiligten Geldhäuser unter Führung der LBBW. 

Durch die Fusion entsteht der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas nach dem spanischen Unternehmen El Corte Inglés. Er erwirtschaftet mit mehr als 30 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa fünf Milliarden Euro, El Corte Inglés kommt auf mehr als das Doppelte.“

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Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

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Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.


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