RetailWatch - Aktuell


Es gibt sie doch noch, die guten Marken? Ergebnisse der aktuellen „Meaningful-Brands-Studie“ von Havas



Frankfurt am Main, 14.6.2021 - Waren (Hersteller-)Marken traditionell mit einem Qualitäts- und häufig genug auch Distinktionsversprechen aufgeladen, unterschreiben dies der aktuellen „Meaningful-Brands-Studie“ der Marketingkommunikationsagentur Havas zufolge von rund 395.000 Befragten nur noch 47 Prozent - ein historischer Tiefststand, so die Kollegen von W&V.

Neue YouGov-Studie zum Shoppingverhalten in der Pandemie: „Alles in Butter - oder was?“



Köln / Frankfurt am Main, 14.6.2021 - Das Einkaufsverhalten im Einzelhandel von weltweit 17 Ländern steht im Fokus der Studie „International Retail Report 2021 – Shopping in the pandemic and the implications for the future“ (n=19.000, Befragungszeitraum Januar bis Februar 2021). Die Ergebnisse für den stationären Handel scheinen auf den ersten Blick für die Autoren des Whitepapers ermutigend. So wollen beispielsweise 63 Prozent der deutschen Kunden die Produkte vor dem Kauf im Geschäft in die Hand nehmen, prüfen, begutachten. 

Das persönliche Shopping-Erlebnis - allein oder in Gesellschaft - steht (lediglich noch) für 38 Prozent der deutschen Verbraucher im Vordergrund - auch scheinen speziell die deutschen Kunden zeitunkritisch zu sein, was die Geschwindigkeit der Kaufabwicklung anbelangt (26 Prozent). So bleibt es einer detaillierten Analyse der Studienergebnisse vorbehalten, inwiefern zumindest die Zahlen für den deutschen Markt eher für einen sich beschleunigenden Wandel hin zum E-Commerce sprechen, als für eine Stabilisierung des Handels vor Ort. Die komplette Studie lässt sich auf der Seite der internationalen Data & Analytics Group YouGov herunterladen.

Dazu ergänzend auch die Süddeutsche Zeitung vom 14.6.2021

Veranstaltungshinweis - ECC Forum Digital 2021 /9.-10.6.2021



Köln / Frankfurt am Main, 9./10.6.2021 - Zwei Tage vollgepackt mit aktuellen Cases zur Digitalisierung im Handel.

Und nochmal ein Neustart bei LEH-Lieferservices



Köln / Berlin / Frankfurt am Main, 4.6.2021 - Bislang kommen Lebensmittel-Lieferdienste in Deutschland betriebswirtschaftlich betrachtet nicht so recht in die Gänge, von lokalen und regionalen Online-Marktplätzen ganz zu schweigen. Regelmässig verhagelt nämlich der analoge Teil der Veranstaltung, die Logistik, das Ergebnis. Nach der Kooperation zwischen Tegut und Amazon nun also eine Zusammenarbeit zwischen der Kölner REWE-Group und dem Berliner start-up Flink. Wir dürfen gespannt sein, wie dieses Joint-Venture im LEH ins Rollen kommt. Lesen Sie dazu mehr in der Gründerszene auf Business Insider.

Lieferdienst Bringmeister will nach Übernahme durch Rockaway Capital richtig wachsen



Prag / Frankfurt am Main, 1.6.2021 - In der Pandemie hat der Online-Handel nochmals richtig Fahrt aufgenommen - auch jener für Lebensmittel. Bislang haperte es bei vielen dieser Angeboten in Deutschland aber an Auswahl, Frische und Lieferslots. Bringmeister, seit über 20 Jahren am Markt, will jetzt in der bewährten Kooperation mit EDEKA so richtig aufdrehen, verspricht Jakub Havrlant für den neuen Grossinvestor, die Private-Equity- und Venture-Capital-Gruppe Rockaway Capital. Möge die Übung gelingen! Mehr darüber in Business Insider.

RetailWatch.de auf Social Media



Frankfurt am Main, 1.6.2021 - Sie wundern sich vielleicht, warum Sie seit längerer Zeit hier keine aktuellen Artikel mehr zum Thema Handel gefunden haben?

Nun - zwischenzeitig posten wir unsere Neuigkeiten in erster Linie auf unseren Social Media-Kanälen bei Facebook, XING und LinkedIn. 

Wir geloben aber, künftig auch hier wieder für frischen Wind und Abwechslung zu sorgen - versprochen.

„Incompetence sells!“ - Plädoyer für eine datensparsame Kundenbeziehung



Frankfurt am Main, 13.6.2019 - Manchmal spült die tägliche Informationsflut auch eine schillernde Perlauster an Land. Heute durfte ich mich beim Öffnen der Post mal wieder über solch ein hübsches Exemplar freuen. 

Was war passiert? 

Eingeladen wurde zu einer Veranstaltung, auf der sich der Referent mit der Rolle europäischer Plattformen beschäftigen wird - und zwar mit deren Inkompetenz gegenüber ihren übermächtigen amerikanischen und chinesischen Vorbildern. 

Ein Hoch auf die Inkompetenz? Schwer vorstellbar. 

Doch halt, es geht hierbei um eine ganz spezifische Form des Unvermögens, der Schwäche oder auch der Unfähigkeit europäischer Unternehmen: Nämlich des Sammelns und monetären Verwertens von Nutzerdaten. Ach ja, genau das sollen Legionen von KI-Experten, Data Analysts oder Data Scientists doch gerade ändern - oder etwa nicht? 

Mmh - sehr spannend. 

„Ethical Design“ - so Peter Post, Co-Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer und besagter Referent, könne so „zum europäischen Exportschlager werden“. Das klingt gut. 

Was heisst das aber nun konkret für Sie als mittelständischer Händler? Ist es auf einmal nicht mehr „en vogue“, Ihre Produkte auf internationalen Marktplätzen wie Amazon, eBay, Rakuten & Co. anzubieten? 

Naja, überlegen Sie doch einfach mal, wie „leicht“ es Ihnen in der Praxis fällt, aus Ihren Kunden- bzw. Umsatzdaten weiterführende Erkenntnisse zu ziehen. Auf Produktebene mag das ja noch relativ leicht sein, doch was lernen Sie über Ihre Kunden? Wie können Sie deren künftige Präferenzen einschätzen und etwas über die vielen kleinen „Mikroschalter“ lernen, die vor jeder Kaufentscheidung blitzschnell hin- und hergeworfen werden? 

Jetzt gerade mal zu Amazon, dann in den Mega-Flagshipstore und auf dem Weg nach Hause auf den Markt, frische Lebensmittel aus der Region kaufen - für das gute Gewissen. 

Wohl verstanden, Marktplätze bieten Ihnen eine ergänzende Möglichkeit, Überhänge, Restposten oder auch exklusive Ware zu verkaufen - aber das hat natürlich seinen Preis - in Euro und Cent als Provision wie auch in Form Ihrer Umsatzdaten. 

Nichtstun als Alternative? Keineswegs. 

Viele Menschen sorgen sich durchaus darum, was mit ihren Daten passiert - vielleicht erleben wir sogar gerade eine Renaissance der Datenbewusstheit oder der „informationellen Selbstbestimmung“, wie sie das Bundesverfassungsgericht 1983 in seinem „Volkszählungsurteil“ definierte. 

Was liegt also näher - und da kommen wir wieder auf Peter Posts Vorschlag zurück - als ihr eigenes Verhalten als das zu bewerben, was es ist: als sehr respektvollen Umfang mit den Daten Ihrer Kunden. 

Natürlich sollen Sie weiterhin mit Newlettern informieren, dürfen berechtigte Kontaktdaten Ihrer Kunden aufnehmen, Preissausschreiben und -Gewinnspiele anbieten - und lokale oder regionale Rabattaktionen fahren. Dazu sich mit anderen Händlern zu Aktionen und Verbünden zusammenschliessen - wie wäre es mit gemeinsamen „viralen“ Aktionen, Pop-up-Stores oder Mini-Messen. Dazu lokale und regionale Online-Marktplätze, die nicht nur Sie und Ihr Geschäft prominent mit vielen anderen in Szene setzen, sondern auch Ihren Kunden ein richtig gutes Gefühl beim Einkaufen vermitteln. 

Der Möglichkeiten sind viele - und hier können Sie zeigen, was Sie drauf haben, nämlich Kompetenz. Kompetenz im Umgang mit Kunden, im Aufbau von Vertrauensbeziehungen, in der Gestaltung Ihres Angebots und dabei, Ihren Kunden ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern.

„Alles was nervt, muss verschwinden“ - der Trendforscher Oliver Leisse zur Zukunft des stationären Handels


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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 8.5.2019 - Multi,- Cross,- Omni- oder doch lieber Surround-Channel ? Klar, alles sehr wichtige Überlegungen bei der Digitalisierung des traditionellen Einzelhandels - denn mitmischen sollen Sie als Händler ja schon - im Internet. Aber wie Sie es auch drehen und wenden - es geht on- wie offline immer noch um Kundengewinnung, Kundenbindung und Vertrauensbildung.

Deshalb bleibt auch klassisch ganz viel zu tun. Dieser Tage gab der Hamburger Trendforscher Oliver Leisse der von ihm mitbegründeten Agentur EARandEYES ein spannendes Interview, auf das Agenturmitarbeiter Adrian Alexander Neumann auf XING hinweist.

Die Kernaussagen des Interviews, hier auf den stationären Handel gemünzt, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

„Alles, was nervt, muss verschwinden“, so Leisses Kernaussage - und bedient damit konsequent den kundenseitigen Gigatrend Convenience.

Was heisst das konkret? 

Nun, das Rennen um den jeweils günstigsten Preis haben Online-Player längst für sich entschieden, so Oliver Leisse. Denn deren Effizienz ist für Sie als stationärer Händler nicht zu erreichen. Und auch der Besuch Ihres Geschäftes, das ewige Suchen nach einem Parkplatz und das eigenhändige „Schleppen der Waren“ - kein schöner Gedanke am Samstagnachmittag und schon gar nicht bequem. Gibt’s dann noch ein „Ticket“ oder gar einen „Rempler“ am Auto dazu - spätestens dann hat sich das ganze Manöver wirklich nicht mehr gerechnet.

Viele Händler sind schon auf den Trichter gekommen - empfangen Sie Ihre Kunden wie Freunde (oder doch zumindest gute Bekannte) und entwickeln und fördern Sie so deren Loyalität zu Ihnen und dem ganz speziellen Ambiente Ihres Geschäfts. 

Kleine Geschenke, Aufmerksamkeiten, eine herausragende und ehrliche Freundlichkeit der Mitarbeiter, unerwartete Sonderleistungen, inspirierende Probierstationen, positive Psychologie, ein umfassendes Coaching auch über die Waren-Ebene hinaus – all das muss in die große Rechnung mit einfließen.“

Ihren Kunden werden zunehmend persönliche Erlebnisse und Erfahrungen wichtiger - die Produkte kommen dann häufig erst in zweiter Linie ins Spiel. Es geht definitiv um Kommunikation, um „Austausch“ - eben von Erlebnissen und Erfahrungen - gegen die neue Währung Loyalität.

Ihre Kunden dürfen es sich ruhig etwas kosten lassen, um in Ihrem „Club Mitglied sein zu dürfen“. 

Und wir dürfen uns ruhig ein Beispiel an anderen Ländern nehmen - die beim der Beseitigung der Nervfaktoren im stationären Handel zum Teil schon deutlich weiter sind als wir.

Schönes Beispiel ist immer wieder die Kassenschlange - wir haben an dieser Stelle schon mehrfach auf deren abtörnenden Charakter für das Einkaufserlebnis hingewiesen.

Warum kommen uns aktuell in Deutschland nur Beispiele wie die Self Scanning-Kassen bei IKEA und einige wenige Pendants in Pilot-Supermärkten in den Sinn - statt einer Vielzahl von unterschiedlichsten Unternehmen?

Trendforscher Leisse verweist auf die üblichen verdächtigen Vorreiter aus den USA wie „Apple Pay, Google Pay“ im Online-Bereich oder Amazon Go im stationären Segment.

Dazu kommen aber inzwischen auch chinesische Unternehmen in Gastronomie und Handel, die teilweise mit modernen Bezahlverfahren per Iris-Scan arbeiten.

Utopie? Mitnichten.

Und auch ein Zuviel an Auswahl kann im Offline-Handel verheerende Wirkungen haben. Dazu Oliver Leisse: „Der Kunde will nicht mehr, sondern die richtige, die gut vorbereitete Auswahl.“

Also überdenken Sie doch mal in Ihrem Supermarkt, ob Sie noch das 58. Müsli brauchen oder im Haushaltswarengeschäft die 35. Pfanne mit Antihaftbeschichtung in 28 cm Durchmesser?

Kuratieren des Einkaufserlebnisses im Sinne einer zielgruppengerechten Beratung - auch und v.a. über den Einkaufstag hinaus. Amazon schafft das in seinen ersten eigenen Läden durch viel künstliche aber auch menschliche Intelligenz - in Form von Produktempfehlungen. Dort werden Sie also keine Produkte finden, die weniger als vier Sterne in der Gesamtbewertung haben.

Und auch Überlegungen zu einem eigenen oder auch nachbarschaftlichen Lieferservice sollten kein Tabu mehr sein. 

„Zudem werden die Grenzen zwischen einzelnen stationären Angebotsformen verschwinden. Café und Store – das kennt man ja, das ist schon erfolgreich erprobt. Aber das ist erst der Anfang: Restaurant, Akademie, Lebensmittelladen und Gesundheitszentrum verbinden sich.

Gesunde Ernährung ist der aktuell vielleicht wichtigste Trend überhaupt. Aber die Konsumenten kennen sich nicht aus und brauchen Aufklärung. Der Handel kann hier helfen – beraten, unterrichten, den Kunden anleiten, probieren lassen. Der Kunde muss aus der gestressten Bewegung hin zum entspannten Verweilen gebracht werden. Quality Time im Store verbringen. Waren erfahren und Neues lernen. Individuelle Konzepte für die neuen individuellen Kunden sind gefragt (…) 

Ich freue mich auf die kleine Überraschung im Detail. Das nette Wort vom engagierten Personal, dem es darum geht, dass man im Store eine gute Zeit verbringt. Der Filialleiter, der ein wenig über den Tellerrand schaut und mich mit einer netten Ladendurchsage zum Wochenende erfreut. Oder mir, nachdem er sieht, dass ich meinen Einkaufswagen mit Obst befülle, noch eine exotische Frucht drauf legt – als Anregung für den nächsten Kauf. Es ist so einfach: Überrascht mich! Ich werde mit höheren Ausgaben und Loyalität danken.“

Kurz und knapp: Konsumenten möchten im stationären Handel v.a. authentisch wahrgenommen werden - eben als Freunde oder gute Bekannte - und entwickeln dann auch gerne Loyalität. Und das können Sie als engagierte Händler auf jeden Fall leisten.

Und noch eine kleine Anmerkung aus eigener Handelspraxis: Tappen Sie als mittelständischer Fachhändler bitte nicht in die Falle der Shop-in-Shop-Organisation, wie sie auf der Grossfläche schon seit Jahren praktiziert wird. Die Vielzahl der Kunden ist diesem herstellergetriebenen „Beratungssystem“ bislang noch nicht auf die Schliche gekommen. Aber bleiben zumindest Sie transparent - beraten Sie herstellerunabhängig - und was Sie nicht als gut und angemessen erachten, werden Sie für Ihr Geschäft ja auch nicht eingekauft haben, oder?! 

Der Food Court - Rettung des Shopping Centers?


2019-04-13 Food Court Skyline-Plaza Frankfurt am Main

Food Court Skyline Plaza, Frankfurt am Main


Frankfurt am Main, 23.4.2019 - Kurz vor Ostern publizierten die Düsseldorfer Kolleginnen und Kollegen von „Zukunft des Einkaufens“ einen Namensbeitrag von Mathias Sander, Director Leasing Strategy & Brand Cooperation bei der Dan Pearlman Group in Berlin und zuständig für Kunden aus den Bereichen Retail und Real Estate - ein ausgewiesener Experte für Shopping-Center. 

Sander setzt sich darin kritisch mit Gegenwart und Potential des ehemals über alles gehypten Handelsformats auseinander. So analysiert er unter dem ironischen Titel „Liebling, wir haben den Kunden vergessen“ die zunehmende Tristesse deutscher Malls und den Wandel hin zum Mietermarkt - dazu die magische Grenze von 500 Objekten bundesweit, die mit aktuell rund 480 Centern fast erreicht sei. 

Was also ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten geschehen und was kann man gegen den Bedeutungsverlust der Shopping Center als Handelsformat tun? 

„Frequenzschwund, die Krise der Mainstream-Mode-Konzepte, Expansionsstopp hochwertiger Textilgroßflächen, Mietmodelle und Vertragslaufzeiten sind unter Druck. Die Zaubertrank-Formel für den Branchenmix funktioniert nicht mehr, die traditionellen Zutaten sind plötzlich rar. Vielen rendite-optimierten Centern der 2000er Jahre fehlen Identität, Ideen und Inspiration. Viele Center aus den 90ern sind outdated.“

Das fasst die wesentlichen Probleme der Center sehr gut zusammen - zumal viele Shopping Malls lediglich das Bild der sie umgebenden Einkaufsstrasse spiegeln - so auf jeden Fall im Hinblick auf deren Bestückung mit Marken und Shop-Formaten. Und das wahlweise auf zwei bis fünf Stockwerken, wie beispielsweise das aktuell nach gerade mal zehn Jahren im Umbau befindliche „My Zeil“ - im Herzen einer der frequenzstärksten Einkaufsstrassen Deutschlands gelegen - eben der Frankfurter Zeil. 

Sander weiter: 

„Die von Städten lange geforderte harmonische Integration in Umfeldstrukturen muss endlich verbessert werden. Center müssen ihre abgeschotteten Fassaden öffnen, authentisch auf Augenhöhe mit Nachbarnutzungen agieren.

Ärztezentren, soziale und Familienangebote, daily leisure und Community dürfen nicht als notwendiges Übel und Flächenfüller verstanden werden, sondern als wertvolle Puzzlestücke, die den Standort für Kunden immer wieder besuchenswert machen.“

Kein Wunder, dass Mathias Sander das Berliner BIKINI in der Budapester Strasse als attraktives Rollenvorbild, als „Best Case“ mit „WOW“-Effekt ausmacht. Im denkmalgeschützten ehemaligen „Zentrum am Zoo“ geniessen die Besucher nämlich eine Einkaufsatmosphäre, die vor Überraschungen nur so knistert. Hippe, junge Marken, eine bunte und abwechslungsreiche Gastronomie und selbst eine Supermarktfiliale haben Platz gefunden in dieser Realität gewordenen Utopie eines innerstädtischen Einkaufszentrums.

Die Verbindung von Leichtigkeit, Urban Jungle und zahlreichen Überraschungsmomenten machen mir bei jedem meiner Berlinaufenthalte erneut Freude - ein Gefühl, das mich in klassischen Shoppingmalls seit ewig langer Zeit nicht mehr überkommen hat.

Und aktuell?

„Food Courts“ - vulgo: Gastronomie scheinen sich zumindest als vorübertreibender Rettungsanker für den Fortbestand der Shopping Malls anzubieten. Besucht man eine Mall seiner Wahl, stapeln sich die Besucher geradezu vor und in den Cafés, Imbissen, Döner-Ständen, Systemgastronomie und den Restaurants. 

Aber in den Geschäften drum herum - pure Tristesse - maximal Museumscharakter.

Die Übertragung der Besucherfrequenz zwischen Gastronomie-Angeboten und regulären Geschäften bleibt inzwischen im Ansatz stecken - der Tütenfaktor, also die Zahl der definitiv vor Ort einkaufenden Kunden, sinkt kontinuierlich - und illustriert die andere Seite der Medaille, nämlich den über die Erwartungen hinaus weiter rasch boomenden Online-Handel.

ECE Market Research, eine Tochter von ECE Projektmanagement, der bundesweit grössten Betreiberin von Shopping Centern, veröffentlichte bereits 2016 in Zusammenarbeit mit TNS Infratest die Studie „Gastronomie in Shopping-Centern“

Demnach nutzen 66% der Kunden bei ihrem Besuch im Shopping Center gastronomische Angebote; von diesen sehen es die Hälfte als „festes Essensritual“ an. Und 40% der Besucher eines Einkaufszentrums wählen dieses nach Art und Vielfalt des gastronomischen Angebots aus, wobei aber auch der architektonischen Gestaltung ein besonderer Wert zukommt. 

Zuletzt plagte auch das Frankfurter Shopping Center MyZeil ein in die Jahre gekommenes Gastronomie-Konzept. Seit 11. April gibt es hier aber einen Neustart - dazu die Website von MyZeil:

"Unter dem Motto 'Es ist angerichtet' lädt FOODTOPIA zum essen gehen und Verweilen in einem ganz neuen und einzigartigen architektonischen Ambiente mit urbanem Flair, lebendiger Markthallen-Atmosphäre und attraktiven Außenterrassen ein – im 4. Obergeschoss von früh morgens bis zum späten Abend."

Also, auf nach Frankfurt und Berlin - Ideen sammeln. Falls die Shopping Mall noch eine Zukunft haben soll!

„Das Ende des Konsums“ - oder: Wann wird Dornröschen endlich wachgeküsst?


2019-01-17 Siegen Oberstadt


Rüschlikon (Zürich)/Frankfurt am Main, 8.4.2019 - Nun, der Titel der Studie, die vor ein paar Wochen gemeinsam vom Schweizer Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) und der deutschen Retail-Division von KPMG vorgestellt wurde, klingt wirklich nicht sehr versöhnlich: „Das Ende des Konsums“ wollen David Bosshart vom GDI und Stephan Fetsch von KPMG gemeinsam mit ihren Co-Autoren Karin Frick und Holger Wildgrube ausgemacht haben. 

Alles nur Panikmache? 

Schauen wir mal genauer hin. Der Blick der Autoren richtet sich 20-30 Jahre in die Zukunft. Virtuelle Erlebnisse kann jeder Konsument wo auch immer erleben - technisch ermöglicht per implantiertem Chip oder ähnlicher technischer Verfahren. Synthetisch und immersiv - ja klar, aber deshalb bloss Science-Fiction? 

Natürlich haben auch die Autoren keine Kristallkugeln auf ihren Schreibtischen stehen, aber denken Sie doch einmal daran, wieviele klassische Geschäftsmodelle in den vergangenen Jahren nahezu verschwunden sind. Die CD feiert heuer z.B. ihr 40-jähriges Jubiläum. CD? Ah, diese kleinen Silberscheiben, die von einem Laser abgetastet wurden - berührungs- und deshalb verschleissfrei. Die grosse Revolution in der damaligen HiFi-Welt. 

Und heute? Mit dem Aufkommen des iPods und ähnlich handlicher MP3-Spieler war Musik auf einen Schlag von ihrem physischen Trägermedium entkoppelt - und man konnte sich die Musik sogar gut anhören, wenn auch einige High End-Puristen und Messingenieure uns das Gegenteil weissmachen wollten. Aber damit nicht genug: Streamingdienste lösten sukzessive den Download von Musikdateien ab - jetzt musste man die Musikdateien noch nicht mal mehr im juristischen Sinn besitzen. Eine monatliche Abogebühr tut es - und wem auch das noch zu teuer scheint, lässt seinen Hörgenuss eben hin und wieder durch kleine Werbeeinblendungen unterbrechen - lästig, aber was soll’s? Merken Sie etwas? So ganz klammheimlich wurden die klassischen Musiklabels wie Sony, EMI BMG entmachtet - eine Fusion in diesem Bereich jagte die nächste. Aber keine half gegen das neue disruptive Geschäftsmodell der Streaminganbieter. 

Und die Künstler? Sie werden nach wie vor benötigt, verdienen aber mit ihren Musikkonserven kaum noch Geld. Das muss dann wiederum ganz analog durch Konzerte reinkommen. je mehr, desto besser. 

Aber wie schauen die Ergebnisse der vorliegenden Studie aus? Bereits bestehende Entwicklungen im Handel werden intelligent mit aktuellen Technologien und deren Zukunftspotentialen verwoben. Nicht fehlen dürfen hier die Künstliche Intelligenz, Neurotechnologie, Mixed Reality (also die nächste Entwicklungsstufe nach der Virtual Reality) und weitere Basistechnologien. Konsequenz: die „Entortung des Konsums“, so die Autoren. 

Unschwer zu verstehen, dass bei dieser Art von Erlebniswelten der Händler von nebenan - aber auch womöglich klassische Markenartikelhersteller - in dieser künftigen Konsumwelt nur noch Statistenfunktion haben werden. 

Natürlich kommen uns an dieser Stelle Titel wie Huxleys „Schöne neue Welt“ oder Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ in den Sinn - und warum auch nicht? 

Physische Grundbedürfnisse werden natürlich auch in dieser für den Handel dystopischen Zukunft befriedigt werden müssen - aber deshalb an jeder dritten Strassenecke eine Filiale von REWE, EDEKA, ALDI oder LIDL? 

So verorten die Autoren auch einen verbreiteten Attentismus innerhalb der Händlerschaft - ein Phänomen, das jedem bekannt ist, der sich mit dieser Branche beschäftigt. Solange es noch nicht richtig im eigenen Gebälk knirscht, geht’s munter weiter - „wie haben das doch schon immer so gemacht“. 

Und gerade hier setzt eine massgebliche Kritik der Studienautoren ein: Informationen über Märkte und Kunden bzw. deren Verhalten werden demnach immer wichtiger - „Schlüsselfaktor Datenreichtum“. Nur so könne der mobile und multihybride Konsument künftig erreicht - oder besser: „eingefangen“ werden? 

Gerade wird in Deutschland der Grundstein für die unbedingt notwendige basale Infrastruktur gelegt: die Versteigerung der Frequenzen für die 5G-Mobilfunknetze. Internet of Things - was willst Du mehr? Nur auf dieser technologischen Folie lässt sich die in der Studie künftig erforderliche „Zeitlogistik“ ausrollen und umsetzen. Eine immense Herausforderung auch in unserem Denken, hat Logistik doch traditionell viel mit Zeit, aber noch mehr mit dem Überwinden von Raum zu tun. Auch hier seien chinesische wie amerikanische Unternehmen schon deutlich weiter als ihre deutschen Kollegen. Und immer wieder Daten, Daten, Daten. 

Wann endet der Dornröschenschlaf endlich auch im deutschen Handel?

titelbild ende des konsums studie


GDI-Studie Nr. 46 / 2019 -
Herausgeber: GDI Gottlieb Duttweiler Institute, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Autoren: David Bosshart, Karin Frick, Stephan Fetsch, Holger Wildgrube


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