Der deutsche Sportartikelhandel im Jahr von EM und Olympiade

Frankfurt am Main, 11.6.2016 - In ihrer aktuellen Ausgabe 6/2016 greift die Fachzeitschrift „Der Handel“ ein Thema auf, dass nicht nur im Segment des Sportartikelhandels für Verstimmung bei der etablierten Händlerschaft sorgt: mit Outlets, Monomarken-, Flagship- oder Hersteller-Stores konkurrenzieren Hersteller ihre Fachhändler und untergraben somit deren Überlebenschancen. Selbstredend gilt dies analog für Markenshops im Internet. 

So wird der Intersport-Chef Kim Roether im Artikel „Mehr als nur Bewegung“ anlässlich der Internationalen Sportartikelmessse 2015 in München mit den Worten zitiert: „Es kann nicht sein, dass grosse Lieferanten durch Outlets und eigene Onlineaktivitäten ihren Kunden die Butter vom Brot nehmen und dann noch erwarten, dass applaudiert wird“ - auch die Händlerinnen und Händler aus dem GPK-Bereich könnten hier ein Liedchen von singen. 

Bleiben wir aber beim Sport: ganz klar verändern die Lieferanten ihre Einkaufsbedingungen zuungunsten der Händlerschaft. So werden bspw. Skonti reduziert und Vororder-Konditionen zurückgefahren. Traditionell gewährte Vergünstigungen werden einkassiert, ein eher angelsächsisch orientierter Verhandlungsstil hält Einzug.

Dabei bedient sich natürlich nicht nur der fränkische Ausrüster Adidas dieser den Handel verschnupfenden Massnahmen - dieser dafür aber sehr nachhaltig: das Ziel, in absehbarer Zeit Nike als Weltmarktführer abzulösen, ist auch vom neuen Vorstandschef Kasper Rorstedt gesetzt. Und vertrieblich legt Adidas noch ein, zwei Schippen drauf: zum einen werden zwar die bundesweit zwölf eigenen neo-Stores geschlossen; super-hippe Lifestyle-Outlets, die voll und ganz auf die Generation „Sneaker“ setzen - zum anderen wird die Strategie des direkten Vertriebs an die Endkunden aber im Onlinebereich gefestigt: Adidas ist seit November 2015 Mitglied im rd. 150 Hersteller umfassenden Partnerprogramm von Zalando - direkte Schnittstelle zur Zalando-Warenwirtschaft und -logistik inklusive. 

Für die wenigen verbliebenen selbständigen Sportartikel-Einzelhändler wird es immer enger - vorübergehende Entspannung mag da noch die Mitgliedschaft in einer grossen Verbundgruppe wie Intersport (internationaler Marktführer im Mittelstand) oder Sport 2000 bringen, die in der Lage sind, ihre Mitglieder u.a. bei aktuellen Lösungen in den Bereichen Warenwirtschaft, Business Intelligence, Ladenbau und -präsentation zu unterstützen und so die hochgesteckten organisatorischen Erwartungen der Hersteller an die Händler zu erfüllen. 

Trotzdem sehen gerade ausländische Händler noch viel Luft im deutschen Sportartikelhandel: Decathlon, die führende französische Kette, betreibt ihre Grossflächen-Märkte inzwischen an rd. 30 Standorten in Deutschland - sechs weitere sind für 2016 in Planung -Eigenmarkenanteil rd. 70%. 

Fashion ist das grosse Thema - und damit auch Frauen als Zielgruppe. Lifestyle, hipp und angesagt - das Image der Branche wird gerade heftig aufpoliert.

Da wollen die üblichen Verdächtigen vertikalen Modehändler wie Mango oder H&M nicht zurückstehen - auch sie bieten längst eigene Sportkollektionen an. Ob diese Accessoires einem ernsthaften sportlichen Einsatz gewachsen sind, muss die Erfahrung zeigen… Ansonsten führt der Weg ganz schnell wieder zurück zum Sporthändler ihrer Wahl, meine Damen!

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