RetailWatch - Aktuell


WDR - Die Story „Allmacht Amazon"

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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)

Seattle/Köln, 5.12.2018 - Klar, Amazon-Bashing mag chic sein und die Auseinandersetzungen um Löhne und Tarifverträge oder den Druck, den Amazon vielerorts auf Kommunen ausübt, mag Kritikern auch recht geben. Dazu die Diskussionen um Marktmacht, Steuervermeidung und vieles mehr.

Aber das Bild ist schillernder: Leerstandsquoten, die in vielen (deutschen) Städten auf 50 Prozent zulaufen, in der Folge das Wegbrechen der Grundversorgung für die Bürger und die zunehmende Verödung der Innenstädte - vielleicht ist Amazon mit eigenen Geschäften hier sogar einmal der Retter?

Eine Welt voller Künstlicher Intelligenz, Handelsexpertise und dem unbedingten Willen, alles überall auf der Welt verkaufen zu wollen - die Vision von Amazon-Chef Jeff Bezos.

Lassen Sie sich in dieses Wunderland entführen - pünktlich zu Nikolaus und bevorstehendem Weihnachtsfest - Sie werden staunen.


WDR-Fernsehen - Die Story v. 5.12.2018

„Handel im Wandel“ - Einblicke in Realität und Zukunft sterbender Innenstädte


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Innerstädtisches Einkaufszentrum „My Zeil“ in Frankfurt am Main


Köln, 25.11.2018 - Pünktlich zu den umsatzstärksten Wochen des Jahres im Einzelhandel unternimmt der Westdeutsche Rundfunk auf WDR5 in seiner Feature-Reihe „Tiefenblick“ den dankenswerten Versuch, Realität und Zukunft des innerstädtischen Einzelhandels und die Entwicklung des E-Commerce zu skizzieren.

So erfahren wir vom Autor Dieter Jandt in spannenden O-Tönen und Interviews zum Beispiel von Einkaufszentren, die häufig erst innerstädtische Läufe verändern, so das Fachhandels-Sterben forcieren und anschliessend selbst Leerstände aufweisen.

Dabei stehen sich die Interessen von Zentrenbetreibern, Händlern vor Ort und der vielfältigen Stakeholders der Politik und Interessensverbände nicht selten diametral entgegen - von uns als potentiellen Verbrauchern erst gar nicht zu reden.

Und die Zukunft? Digitale Modelle, Lieferservices und überhaupt - Shoppen im Netz rund um die Uhr und Belieferung per Drohne oder Roboter? 

Hören Sie rein.

Handel im Wandel (1/3) - Shoppingcenter neu erfunden

Handel im Wandel (2/3) - Problemzone Innenstadt

Handel im Wandel (2/3) - Eier per Drohne

„Ich bin dann mal weg“ - Der letzte OTTO-Katalog geht in Druck


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Quelle: Otto (GmbH & Co. KG), Hamburg - Titel der ersten und letzten Ausgabe des OTTO-Katalogs


Hamburg, 24.11.2018 - OTTO-Versand…Hamburg! Die Älteren unter Ihnen werden sich sicher an diesen Ohrwurm aus der damaligen Radio- und Fernsehwerbung erinnern und die noch Betagteren vielleicht daran, wie sie leicht zitternd vor Aufregung und Verheissung die erste Ausgabe des OTTO-Katalogs aus dem Jahr 1950 in Händen hielten - eine Rarität, handgebunden, Auflage 300 Stück. 

Einkaufen per Katalog, die Ware nicht vorher anfassen und einschätzen können? Damals eine völlig absurde Vorstellung. Fast genau so gut hätte man den Menschen die Zukunftsvision einer Welt mit Internet näherbringen wollen. Dabei ging es zu jener Zeit „nur" um die Bestellmöglichkeiten per Postkarte/Brief, Telefon oder beim OTTO-Händler um die Ecke (ja, auch so etwas gab es) - und das Fax war noch nicht erfunden.

Nicht zu vergessen - auch ein Stück deutsch-deutscher Geschichte geht mit dem Ende des OTTO-Katalogs zu Ende: auch im „real existierenden Sozialismus“ erfreute sich der OTTO-Katalog allergrösster Beliebtheit, führte er doch die Produktvielfalt des vermeintlichen Paradieses unbegrenzter Konsummöglichkeiten sinnhaft vor Augen.

Die Website des Hamburger Unternehmens dazu - Ohne OTTO-Katalog in die Zukunft:

„Seinen Anfang hat der Pioniergeist des Unternehmens 1950 gefunden. Mit dem ersten handgebundenen Katalog Werner Ottos. Achtundzwanzig Paar Schuhe auf vierzehn Seiten. Insgesamt dreihundert Haushalte erreichte das Werbewerk damals. Schnell interessierten sich mehr und mehr Menschen für die Bestellung per Katalog. Das Angebot wuchs - von Möbel, über Mode und Technik - die Auflagen und Seitenzahlen stiegen auch. Zu Spitzenzeiten war der OTTO-Katalog über 1000 Seiten stark – mehr als 70 Mal so dick wie zu Beginn der Unternehmung. Top-Models wie Claudia Schiffer, Heidi Klum oder Gisele Bündchen, Ikonen ihrer Zeit, schmückten das Cover der gewichtigen Drucksache. Jetzt ist Schluss damit.“

Freilich ist die Einstellung des OTTO-Katalogs nur folgerichtig, denn nach Aussage von Marc Opelt, Vorsitzender des OTTO-Bereichsvorstandes und verantwortlich für den Bereich Marketing, werden inzwischen rund 95 Prozent des Umsatzes online erwirtschaftet, davon annähernd die Hälfte via Mobile Devices.

Und - nicht immer kommen die aktuellen Handelstechnologien aus Kalifornien oder Japan, wie der OTTO-Website ebenfalls zu entnehmen ist:

„OTTO blickt nach vorn. In die Zukunft des E-Commerce. Ganz so, wie der Pioniergeist des Unternehmens es schon immer getan hat. Der Fokus liegt auf Themen rund um Smart Home, Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Dafür investiert OTTO Millionen in neue Technologien, wie Computer Generated Imagery. Probiert sich an Beratungsformaten, wie Augmented Reality Apps, und arbeitet an zukünftigen Einkaufswegen, wie Voice Commerce. Weg von dem einen großen Ding, das alle Interessen aller Kunden bündelt, hin zu speziellen Angeboten. Dank intelligenter digitaler Mechanismen im Hintergrund, aber auch hier mit dem einen großen Ziel: das individuelle Einkaufserlebnis der Kunden kontinuierlich zu verbessern - weil jeder einzelne Kunde zählt.“

Zudem hat OTTO längst den Weg des Anbieters einer Handelsplattform eingeschlagen, die zahlreiche Händler bereits erfolgreich für sich nutzen. So summiert sich die Zahl der verfügbaren Produkte auf mehr als 2 Millionen; jeder Händler muss dabei mindestens 300 Produkte auf der Plattform anbieten.

Die jüngere, digitalaffine Kundschaft muss allerdings erst noch von den Vorzügen der neuen OTTO-Welt überzeugt werden - hier liegt der Klick bei den üblichen Verdächtigen wie Amazon, Zalando oder eBay einfach näher.

Nach Angaben des Hamburger Handelsunternehmens wird die letzte Ausgabe des OTTO-Katalogs am 4. Dezember 2018 erscheinen. Ich war wohl zu spät mit meiner Bestellung - aber sicherlich wird es einen Sekundärmarkt für das Abschiedsexemplar geben.

Kommentar von Jan Drees, Literaturredakteur beim Deutschlandfunk - 22.11.2018

HR2 - Der Tag: Otto, mon Amour - Ein Katalog wird zur Geschichte - 3.12.2018

„Black Friday“, „Cyber Monday“ oder welche Kuriositäten hätten Sie denn noch gerne?


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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 23.11.2018 - „Black Friday“ - der Urvater aller vorweihnachtlichen Rabattschlachten im Einzelhandel, bezieht sich eigentlich im Kern auf einen sehr beschaulich-feierlichen Anlass: nachdem die ganze (US-amerikanische) Familie sich am vierten Donnerstag im November zum traditionellen Truthahnessen um den festlich gedeckten Tisch versammelt und ihrem Schöpfer und den Gründervätern für besondere Erlebnisse im vergangenen Jahr gedankt hat, wird am Freitag der Auftakt zu den Weihnachtseinkäufen eingeläutet. 

Viele Menschen nehmen sich an diesem Tag frei und geniessen so ein langes Wochenende - nicht ohne bereits frühmorgens in den Einzelhandelsgeschäften aufzukreuzen, um der nämlichen „Black Friday“-Schnäppchen Herr zu werden und die Geschenkeliste für das Fest der Liebe abzuhaken. 

Seit 2005 werden denn auch am „Black Friday“ die höchsten Einzelhandelsumsätze des Jahres in den USA erzielt. Kein Wunder, denn Geiz ist auch jenseits des Atlantik geil, wenn man die Schnäppchen nun mal schon auf dem Silberteller serviert bekommt. 

Zusätzlich gilt der „Black Friday“ als wichtiges Datum für die zu erwartenden Umsätze im eigentlichen Weihnachtsgeschäft. Soweit - so gut.

Was erleben wir allerdings seit einigen Jahren auf unserer Seite des Atlantiks? Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten ist der „Black Friday“ bislang eher ein Online-Phänomen. Dabei sollten sich die Schnäppchenjäger auch ein klein wenig vorsehen, denn viele der vermeintlich so interessanten Angebote mit Abschlägen von 50, 60 oder 70 Prozent entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Luftnummern. Häufig werden nämlich die stolzen Rabattierungen auf Basis der UVPs vorgenommen, die sich in der Praxis jedoch bereits längst in „Strassenpreise“ aufgelöst haben. So ist vor allem bei Unterhaltungselektronik und Fotoprodukten Vorsicht geboten - jedoch auch bei anderen Produktgruppen.

Jeroen van Rooijen geht in seiner „Stilkritik“ vom 23.11.2018 auf bellevue.nzz.ch noch einen Schritt weiter: „Mit dem ‚Black Friday‘ schaufelt der Handel weiter am eigenen Grab“ - so der Titel seiner Analyse. Und natürlich hat er damit recht: seit gut einer Woche bekomme ich jeden Tag gefühlte 328 Mails, die mit besonders ausgefallenen Rabatten auf Produkte aller Art bis hin zu Software und Wohndesign hinweisen, Autozubehör wie Winterreifen und Standheizungen dabei nicht zu vergessen. Und ob die ganze Aktion jetzt unter „Black Friday“, „Red Friday“, „Cyber Days“, „Cyberweek“, „saphirschwarzer Freitag“ oder einem ganz anderen Titel läuft, ist dann auch schon egal. 

Suggeriert werden soll immerfort das Gleiche: JETZT ist die Gelegenheit zum „Zuschlagen" bei den Schnäppchen und wer sich dem verweigert, ist ein ignoranter Tropf (oder gar Schlimmeres).

Van Rooijen verweist beispielhaft auf den Textilhandel 2018, der nicht nur wegen des langen, trockenen und heissen Sommers immer noch mit vollen Lagern der Winterkollektion kämpfe, sondern dem zudem die preisbewussten Kunden scharenweise von der Fahne gingen - ins Ausland (vulgo: angrenzende EU-Länder) oder natürlich ins Internet.

Grundsätzlich könne hier der Kaufschub eines „Black Friday“ für sinnvolle Entlastung der Warenbestände sorgen; die Margen blieben jedoch in der Folge für lange Zeit ruiniert. Und - Kunden gewöhnen sich sehr schnell an Niedrigpreise.

Wie denn auch nicht, wenn Ihnen über’s ganze Jahr irgendwelche Rabattaktionen versprochen werden - Coupons, Einkaufsgutscheine, Mid Season Sales - und immer steht für die Kunden die Frage im Raum: „Geht’s nicht noch etwas billiger?“

Im Kern hat sich hier auch der Handel mit qualitativ hochwertigen Artikeln in eine Lage gebracht, die nur noch Argumentationsmuster à la „Rudis Reste Rampe“ kennt - billig, billiger, am billigsten. 

Dumm nur, dass mit einer solchen Preispolitik die notwendige nachhaltige Marge (leichtfertig) auf’s Spiel gesetzt wird - und so der Fortbestand des Handelsunternehmens gefährdet wird.

Natürlich liesse sich aus Handelssicht auch aus diesem Geschäftsmodell etwas Sinnvolles „stricken“: man bietet als Händler dann eben nicht reguläre Ware an, sondern Überhänge, Artikel der letzten Saison oder extra für die Rabattaktion eingekaufte Ware. 

Die tückische Dialektik eines solchen Geschäftsgebarens sollten Händler jedoch nicht unterschätzen: bemerkt „König Kunde“ nämlich diese Taktik (oder gar langfristige Strategie), ist das vorab mühsam aufgebaute Vertrauen schnell dahin und der Händler steht mit seinen Lockangeboten als „Kaiser ohne Kleider“ da - und hat zudem Probleme, seinen Kunden künftig überhaupt noch vernünftige Preis-/Qualitätsrelationen seiner Produkte aufzeigen zu können. 

Wie es auch anders gehen kann, zeigt die Händlervereinigung „Münchens Erste Häuser“.


Drei der fünf traditionsreichen Einzelhändler Hirmer, Sporthaus Schuster, Kustermann, Bettenrid und Hugendubel setzen bei ihrem „Better Friday“ nicht auf Schnäppchen, sondern auf ein „Zeichen verantwortungsvollen Miteinanders“: sie spenden einen Teil ihres Tagesumsatzes vom 23. November
an die Anton Schrobenhauser Stiftung „kids to life“ - eine Initiative, die sich seit nunmehr fünfzehn Jahren national wie international um benachteiligte Kinder und Jugendliche bemüht.

ADOBE-Studie: "Deutsches Weihnachtsgeschäft wächst um rund 20 Prozent"


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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


München, 19.11.2018 - Wow, es gibt auch noch gute Nachrichten im Einzelhandel. Und die serviert uns dieser Tage mit Adobe ausgerechnet einer der kalifornischen Big Player in seinem „Adobe Holiday Retail Survey 2018“. 

Und es geht darin um keine Kleinigkeiten: die Kauflaune deutscher Konsumenten für Weihnachtsgeschenke wird hier mit durchschnittlich 674,- Euro markiert - rund 20 Prozent oder gut 100,- Euro mehr als im Vorjahr. Das sind die bislang grössten geplanten Ausgaben für’s Fest der Liebe hierzulande. 

Dass die Deutschen hinter den Briten (+ 5 Prozent auf nunmehr umgerechnet 2.344,- Euro) und den Franzosen (mit + 46 Prozent auf nunmehr 730,- Euro) nur den dritten Platz auf dem europäischen Ausgabentreppchen belegen, sei’s drum. 

Befragt wurden für die Online-Studie zwischen dem 24. und 29. Oktober 2018 mehr als 3.000 französische, britische und deutsche Konsumenten ab 18 Jahren, die ein Smartphone besitzen, davon mehr als 1.000 in Deutschland. 

Demnach sind die frühen Käufer von Weihnachtsgeschenken (45 Prozent) denn auch bereits in diesen Tagen auf der Pirsch, um ihre „Lieblingsstücke“ zu ergattern. 86 Prozent der Konsumenten wollen ihre Weihnachtsbesorgungen bis Mitte Dezember erledigt haben. Soviel zu den optimistischen Perspektiven der Studie. 

Weniger optimistisch dürfte den stationären Handel stimmen, dass gemäss der Adobe-Umfrage mit 53 Prozent mehr als die Hälfte des Budgets der deutschen Weihnachtseinkäufe ins Internet fliessen sollen (Frankreich 49 Prozent, Grossbritannien 56 Prozent). 

Davon profitiert nun auch erwartungsgemäss weniger der kleine Webshop des kleinen Einzelhändlers, sondern v.a. die grossen Player im E-Commerce: Amazon, eBay & Co. dürfen demnach mit gut einem Viertel (26 Prozent) der deutschen Weihnachtseinkäufe rechnen, dabei schielen unsere preissensiblen deutschen Einzelhandelskunden zusätzlich noch auf (vermeintliche) Superschnäppchen rund um den „Black Friday“ (23.11.) oder den Cyber Monday (19.11.) bzw. die Cyber Monday Woche (19.-26.11.). 

Was sind die wichtigsten Argumente für die Einkäufe der Weihnachtsgeschenke im Netz?

  • guter Preis (29 Prozent)
  • stressfreier Einkauf (18 Prozent)
  • grosse Produktvielfalt (17 Prozent)

Und Last-Minute-Shopper schätzen der Adobe-Studie zufolge v.a.

  • schnelle 24-Stunden-Lieferung (59 Prozent)
  • Abholen der im Netz bestellten Artikel im stationären Geschäft (Click & Collect) (31 Prozent)

Jamie Brighton, Head of Product & Industry Marketing bei Adobe EMEA erläuternd:

„ Verbraucher in ganz Europa planen, mehr denn je in der kommenden Weihnachtszeit auszugeben. Für den Online-Handel bedeutet das vor allem eines: Ein weiteres Rekordjahr steht vor der Tür, wenn sie das Weihnachtsgeschäft richtig angehen. Noch nie war es für den Handel so wichtig, ein digitales Kundenerlebnis zu realisieren, das den steigenden Erwartungen der Konsumenten gerecht wird. Auch wenn der Preis beim Weihnachtseinkauf für viele Kunden eine wichtige Rolle spielt: Das Shopping-Erlebnis macht den Unterschied! Insbesondere für Marken, die nachhaltig Loyalität aufbauen wollen, damit die Kunden nach dem Weihnachtsfest wiederkommen.‘ "  

Neben den gewonnenen Einsichten über die favorisierten Einkaufskanäle und dem damit verbundenen weiteren Bedeutungsverlust des stationären Handels ist ein weiteres Ergebnis des Adobe-Surveys bemerkenswert. Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) möchte die Einkäufe über’s Smartphone bzw. mobile Shopping-Apps tätigen (bei den ums Jahr 2000 Geborenen - den Millennials - sind es sogar 60 Prozent). Auch soziale Medien spielen bei der Geschenkeauswahl eine bedeutsame Rolle: 

  • Nutzung sozialer Medien bei der Inspiration bzw. Suche nach dem richtigen Geschenk (27 Prozent - Millenials 50 Prozent)
  • Checken der Produktbewertungen anderer Nutzer bzw. Käufer (38 Prozent)
  • Recherchieren von Weihnachtswünschen in den Social Media-Profilen von Freunden und Familie (36 Prozent)
  • Nutzen von Chatbots bei der Beratung (11 Prozent)

Mit 48 Prozent der Befragten haben knapp die Hälfte der Konsumenten eine ungefähre Idee zu den passenden Geschenken; haben sich jedoch noch nicht festgelegt. Je ein Viertel der Deutschen geht anhand einer Geschenkeliste mit Deadlines für den Einkauf auf die Jagd nach den Weihnachtspräsenten, etwas mehr (27 Prozent) lassen sich jedoch von spontanen Angeboten überraschen. 

Und - praktisch sollen die Geschenke denn auch noch sein. So sehen es 70 Prozent der Befragten. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie einen Satz Winterreifen, eine Bohrmaschine oder einen Hightech-Staubsauger inkl. HEPA-Hygiene-Ausstattung unter dem Christbaum finden.

Spannend und ergänzend zum Set der (begleitenden) Online-Befragung noch einige Anmerkungen von Adobe zum Einsatz künstlicher Intelligenz im Rahmen des Surveys:

„Die aktuelle Holiday Retail Survey 2018‘ ist bereits die vierte Studie von Adobe rund um die Weihnachtsausgaben und Kaufgewohnheiten weltweiter Konsumenten. Darin wurden mit Hilfe von Adobe Sensei, dem Framework für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen von Adobe, relevante Retail Insights identifiziert, die auf Billionen von Datenpunkten in der Adobe Analytics und Magento Commerce Cloud, einem Teil der Adobe Experience Cloud, basieren. Nur die Analyse von Adobe umfasst Einzelhändler in über 50 Warengruppen, die von der Magento Commerce Cloud unterstützt werden, um einen genauen Überblick über das Online-Shopping in Europa zu erhalten. Die Adobe Experience Cloud verwaltet jährlich mehr als 200 Billionen Datentransaktionen."

Update 3 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-09-06 PIXABAY Fusionsgespraeche Kaufhof-Karstadt Deal closed

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Toronto/Wien, 11.9.2018 - Wie mehrere Medien berichten, ist die Fusion von Karstadt und GALERIA Kaufhof jetzt endgültig vollzogen worden. Aktuell beschäftigt das neue Unternehmen Deutsche Warenhaus-Holding zusammengenommen 32.000 Mitarbeiter an 243 Standorten. Die Immobilien teilen sich die SIGNA und die kanadische HBC zur Hälfte - wobei das GALERIA Kaufhof-Haus in Köln sowie das Carsch-Haus in Düsseldorf zu 100 Prozent an René Benkos SIGNA gehen.

Neben Karstadt und GALERIA Kaufhof umfasst der Handelsriese künftig auch die niederländischen HBC-Kaufhäuser, die belgischen Galeria-Inno-Warenhäuser, Saks Off 5th, Karstadt Sports sowie die Lebensmittel- und Gastronomiesparten der beiden Ursprungsunternehmen. Dazu Karstadt.de, Kaufhof.de sowie weitere Online-Shops.

Zu den weiteren Konsequenzen der Fusion die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf ihrer Website:

Beide Seiten versprechen sich von ihrer ‚Fusion unter Gleichen‘ auch Einsparungen. In der Kaufhof-Belegschaft jedoch gibt es Ängste vor einem erheblichen Sttellenabbau. Details zu Sparplänen nannten HBC und Signa bislang nicht. Fachleute halten es allerdings für wahrscheinlich, dass sich Geld sparen lässt, indem einer der beiden Hauptsitze der bisher getrennten Ketten geschlossen wird. Zudem sind Filialschliessungen wahrscheinlich. Potential gibt es auch in der Logistik und beim Einkauf, denn die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen.

Laut Angaben der Lebensmittel-Zeitung und Bild am Sonntag ist René Benkos SIGNA-Holding bereit, 250 bis 300 Millionen Euro in die Sanierung der GALERIA Kaufhof-Sparte zu stecken - Sozialpläne eingeschlossen.

Vorab werden sich nicht zuletzt die deutschen Kartellbehörden intensiv mit der Fusion beschäftigen - Markt- und Einkaufsmacht der Deutsche Warenhaus-Holding sind künftig nicht zu unterschätzen.


Spannend und ergänzend hierzu der historische Überblick von Jerome Busch (FAZ) zum Verschwinden der deutschen Kaufhäuser.

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Köln/Essen, 6.9.2018 - Wie Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de exklusiv berichtet, ist der Übernahmedeal der GALERIA Kaufhof AG durch Karstadt in trockenen Tüchern, die Banken überzeugt. Unterzeichnet werden soll der Deal in den nächsten Tagen - bis zum 15. September 2018.

Demzufolge werden die Geschäfte der beiden Warenhausriesen zu einem Joint Venture zusammengelegt; Signa Retail, Teil des Immobilienkonzerns René Benkos, wird die Mehrheit daran halten.

Der neue Warenhauskonzern wird dann nach dem spanischen Wettbewerber El Corte Inglés an zweiter Stelle in Europa rangieren. Allerdings werden solche Transaktionen ja nicht aus reiner Freude an Grösse geschlossen, sondern nicht zuletzt, um Kostenvorteile zu realisieren. Dazu wird auch im aktuellen Fall der Wegfall von rund einem Viertel der 20.000 Stellen bei der GALERIA Kaufhof führen - mutmasslich verbunden mit Lohnkürzungen bei den verbleibenden Mitarbeitern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrags. Michael Kläsgen zufolge werden Sozialpläne erstellt werden - er erläutert zusammenfassend dazu:

„Wie die SZ aus Bankenkreisen erfuhr, soll Signa das gesamte Management des Gemeinschaftsunternehmens stellen. Geführt werden soll es vom derzeitigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der auch Chef der Einzelhandelssparte von Signa ist, sowie von Karstadt-Finanzchef Miguel Müllenbach. Von HBC soll niemand am Management beteiligt sein. Deren Vertreter sollen im Aufsichtsrat sitzen. Das sei eine Forderung der Banken gewesen sein, hiess es. 

Faktisch übernimmt Signa 50,01 Prozent am Warenhausgeschäft des Joint Ventures. Zwei Immobilienpakete, eines mit 41 Häusern, ein anderes mit 18 Gebäuden, teilen sich beide jeweils zur Hälfte. Der Kredit, den das Bankenkonsortium vor drei Jahren den Kanadiern bewilligte, um den Kauf von 41 Kaufhof-Immobilien zu finanzieren, läuft weitere sieben Jahre. Das beschlossen die Vorstände der beteiligten Geldhäuser unter Führung der LBBW. 

Durch die Fusion entsteht der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas nach dem spanischen Unternehmen El Corte Inglés. Er erwirtschaftet mit mehr als 30 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa fünf Milliarden Euro, El Corte Inglés kommt auf mehr als das Doppelte.“

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Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

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Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

Update 2 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-06-27 Fusionsgespräche Kaufhof-Karstadt

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

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Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

Künstliche Intelligenz hört mit - Alexa allein zu Haus und der Einzelhandel

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Frankfurt am Main, 5.8.2018 - Anfangs, im Juni 2015, hielten viele US-Konsumenten sie für einen netten Gag: Alexa, die künstliche Stimme und Intelligenz, die ihnen aus den Amazon-Lautsprechern Echo bzw. Echo Dot entgegengurrte und auf fast jeden Wunsch eine Antwort wusste. Knapp zwei Jahre später enterte Alexa auch die deutschen Haushalte. 

Einer jüngeren Studie des Beratungsunternehmens capgemini zufolge sind die Nutzer begeistert. Mehr als 64 Prozent von ihnen haben bereits mit Alexa, mit Siri von Apple oder Google Home geplaudert und sich durchs Leben begleiten lassen. 

Technikkritiker bemängeln eine Infantilisierung der Kommunikation, besonderes Interesse zeigen jedoch Datenschützer an den Sprachassistenten mit der künstlichen Intelligenz: Natürlich sollen diese erst auf ein Startwort hin aktiv werden und sich mit ihren Servern in den USA verbinden - aber nicht immer scheint das so zu funktionieren. 

Irrtümlich ausgeführte Online-Bestellungen oder ad hoc-Parties, die Alexa mit sich selbst (und unfreiwillig die Nachbarn mit ihr) feiern, lassen an der Vertraulichkeit der Mensch-Machine-Kommunikation zweifeln. 

Aber noch eine ganz andere Klientel sollte vor Alexa und Co. viel Respekt haben: traditionelle  Einzelhändler. 

In den nächsten drei Jahren prophezeien die Experten von capgemini rasante Umsatzsteigerungen von sprachassistenz-induzierten Umsätzen an den gesamten Konsumausgaben von 600 Prozent. Durch die insgesamt rasch wachsenden Umsätze allein des deutschen Online-Handels bleiben in den kommenden Jahren mutmasslich mehr als zehn Prozent der jetzt noch aktiven Händler auf der Strecke. 

Aber auch die Freunde von Alexa & Co. entmündigen sich freiwillig: denn in der Regel sind die Angebote, die Alexa ihren Besitzern macht, zwar von dieser Welt, aber eben aus jener von Jeff Bezos. Und die Suche nach alternativen oder günstigeren Angeboten ist dann wieder vergleichsweise unbequem. 

85 Prozent der Konsumenten folgen denn auch den Vorschlägen Alexas, wie die Online-Quelle BÖRSE am Sonntag vom 4.8.2018 auf die Unternehmensberatung OC&C verweisend berichtet. 

Amazon ist einer der weltweit emsigsten Treiber von Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI); auch Deutschland profitiert von diesen Investitionen - künftig zusammen mit dem Tübinger Max-Planck-Institut. 

Doch zurück zum Einzelhandel und dessen Zukunft (BÖRSE am Sonntag, 4.8.2018 - „Einzelhandel. Die grosse Angst vor Alexa“):

„Auch Capgemini­-Experte Achim Himmelreich sieht die Sprachassistenten zu einer existentiellen Bedrohung für den Händler werden. Wer in diesem Feld nicht präsent sei, finde in der Branche bald nicht mehr statt, warnt er. ‚Sprachassistenten entscheiden, welches Produkt von welchem Händler bestellt werden soll.‘, sagt HDE­-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Damit wird also zwischen den Käufer und den Verkäufer eine dritte Instanz geschaltet, die zu ihrem eigenen Vorteil auswählt, wo der Käufer kaufen soll. ‚Langfristig werden also die Selektions-­ und Marketingprozesse von Sprachassistenten einen wichtigen Faktor für den Erfolg und Misserfolg von Produkten und Händlern darstellen‘, so Tromp weiter. 

Für den Einzelhandel stellt sich damit die Frage: Wie verkauft man in Zukunft Produkte ohne Zugang zum Kunden? Die Antwort ist so einfach wie entmutigend: Mit sehr viel Geld, dass man an Amazon, Google und Co. zahlt, damit die am Ende genau dieses Produkt ihren Kunden vorschlagen. So könnten einmal mehr die ganz großen Konzerne gewinnen, kleine Mittelständler dagegen verlieren. Die globale Einkaufswelt darüber hinaus wieder ein Stück einheitlicher werden. Und damit auch wir selbst.“

Schöne neue Einkaufswelt.

Neuer Ausbildungsgang im Handel: Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce

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Frankfurt am Main, 1.8.2018 - Seit heute gibt es im Handel einen spannenden neuen dualen Ausbildungsgang: den Kaufmann / die Kauffrau im E-Commerce. Vor allem grosse Handelsunternehmen wie die Hamburger OTTO Group drangen auf die Realisierung des neuen Berufsbildes. So berichtet die Fachzeitschrift „möbelkultur“ in ihrer heutigen Online-Ausgabe, dass Auszubildende im Konzern selbst den Anstoss gaben sowie Inhalte und Strukturierung des neuen Ausbildungsberufs entwarfen: 

Angestoßen und vorangetrieben wurde die Idee einer neuen E-Commerce-Ausbildung bereits vor mehreren Jahren im südlichen Oberfranken bei Baur in Burgkunstadt. ‚Interessant dabei: Es waren Auszubildende selbst, die im Rahmen einer Projektarbeit mögliche Ausbildungsinhalte zusammengetragen und strukturiert hatten‘, erklärt Max-Josef Weismeier, Ausbildungsleiter bei Baur. Durch die Unterstützung aus dem Konzern wie zum Beispiel von Otto oder der Witt-Gruppe konnten die entscheidenden Verbände und Institutionen von der Dringlichkeit eines neuen Ausbildungsberufes überzeugt werden.“

Kein Wunder, dass heute allein bei der OTTO Group 20 Auszubildende im neuen Ausbildungsgang starten.

Detaillierte Infos zum neuen dualen Ausbildungsgang Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Apple Pay - nun bald auch in Deutschland

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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Cupertino, 31.7.2018 - Apple-CEO Tim Cook kündigte anlässlich einer Analystenkonferenz den Start des hauseigenen Bezahldienstes Apple Pay auch in Deutschland an - per Ende 2018.

Nach Angaben u.a. des Handelsblatts wird die Deutsche Bank zum Start von Apple Pay mit dabei sein, ebenfalls die Netzbank N26 sowie die Münchner Hypovereinsbank. Auch Comdirect zeigt sich offen für das neue Bezahlsystem.

Aktuell können bereits Kunden des Zahlungsdienstleisters Wirecard mit der Prepaid-Kreditkarte Boon Apple Pay nutzen - über eine Änderung des Ländercodes. 

Das verweist auch auf die Grundstruktur des neuen Bezahldienstes. Apple Pay ist regelmässig an den Besitz einer Kreditkarte einer der am System teilnehmenden Kreditinstitute gebunden. Das iPhone-Modell muss einen speziellen NFC-Chip besitzen - ab den Modellen SE bzw. iPhone 6 ist dies der Fall. 

„Live“ im Handel wird dann mit dem iPhone bzw. der Apple Watch bezahlt - man hält das Gerät einfach an das Bezahlterminal des Händlers - in max. 4 cm Abstand und gleichzeitig einen Finger auf die Touch ID, also den Fingerabdrucksensor des Apple-Gerätes. Weitere Legitimationen wie beispielsweise PIN sind dann nicht mehr notwendig. 

Aktuell unterstützen nach Angaben des Handelsblatts in Deutschland rund 475.000 Bezahlterminals das neue Zahlverfahren. In-App-Zahlungen und solche im Apple-Browser Safari werden zudem auch mit dem iPad möglich sein. 

Bleibt die Frage, warum das Bezahlen per Apple Pay erst so spät in Deutschland eingeführt werden soll. Naja, Apple wäre nicht Apple, wenn nicht ein hübscher Anteil des Händler-Disagios auch dort verbleiben sollte - und dieser Anteil war den verhandelnden deutschen Kreditinstituten wohl bislang zu gross. 

Trotzdem: bei einem iPhone-Marktanteil von um die zwanzig Prozent in Deutschland und der bekannten Technikoffenheit und günstigen Einkommensverhältnisse der Apple-Kunden dürften für Banken und Apple erkleckliche Provisionen zusammenkommen.


ergänzend dazu CHIP-TV


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