RetailWatch - Aktuell


Update: Kaufhof in Nöten - jetzt sollen es die Angestellten richten

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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Köln, 11.10.2017 - Als der kanadische Kaufhauskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) 2015 beim Kölner Kaufhof einstieg und rosige Zukunftspläne für die neue deutsche Tochter entwarf, schienen die bis dato aufgelaufenen Probleme auf einem Schlag gelöst zu sein: Umbau der Filialen, Einführung der Hip-Marke Saks Fifth Avenue auf dem deutschen Markt, Umgestaltung der häufig defizitären Kaufhof Sport-Arena-Filialen usw. Der Kaufhof sollte insgesamt schicker, jünger und hipper werden. Zwei Jahre später ist die grosse Ernüchterung eingekehrt: Kreditversicherer senkten ihre Limits für Wareneinkäufe, die Kundenzahlen und Umsätze blieben teilweise weit hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück und die kanadische Muttergesellschaft HBC schwächelt selbst - und kommt ihren eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Kaufhof nicht nach. Inzwischen seien nach einer Meldung der Süddeutschen Zeitung auf der Seite des Kaufhof bereits 300 Millionen Euro an aufgelaufenen Forderungen gegenüber HBC zu verbuchen.

Wie das Manager-Magazin bereits Ende Juli berichtete, lag der aufgelaufene Betriebsverlust (Ebit) der Kaufhof-Gruppe nach den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres bereits bei 50 Millionen Euro - eine Verdopplung gegenüber 2016. Hierfür gibt es v.a. zwei Gründe: laufende Rabattaktionen sowie die heraufgesetzten Mieten für die einzelnen Kaufhof-Filialen. So möchte HBC auf Dauer den Kauf der Warenhauskette von dieser selbst finanzieren lassen - das klassische Heuschrecken-Modell der Private Equity-Branche. Wie die Süddeutsche Zeitung am 11. Oktober berichtet, handelt es sich hierbei um jährliche Mehrkosten von 40 Millionen Euro auf eine Laufzeit von zwanzig Jahren gesehen.

Freilich wäre es unfair, die Kritik lediglich bei der Unternehmensleitung rund um Kaufhof-Chef Wolfgang Link abzuladen. Speziell der deutsche Kaufhausmarkt bleibt schwierig, die Kundenfrequenz in den Innenstadtlagen stagniert, wo früher gleich gekauft wurde, wird heutzutage erstmal geprüft, abgewogen und mit den Preisen im Internet verglichen. Keine einfachen Zeiten für Kaufhäuser- zumal die avisierten jüngeren Kunden weiterhin alternative Einkaufsquellen bevorzugen.

Aktuell also Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Kaufhof-Unternehmensführung. Das Ziel: für einzelne Betriebsteile sollen unterschiedliche Tarifverträge abgeschlossen werden (können). Amazon und seine Bezahlung nach Logistik-Tarifen lässt grüssen.

Bei rund 21.500 Beschäftigten ist die Höhe der Lohnsumme natürlich ein ganz schöner Brocken. Der Wunsch, hier anzusetzen, ist also durchaus verständlich. Aber bleibt so auch die nötige Motivation der Belegschaft für die weiter laufenden Restrukturierungsmassnahmen erhalten? Daran darf doch gezweifelt werden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen die Mitarbeiter auf 3-5 Prozent ihres Salärs verzichten, ebenso drei Jahre lang auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und schliesslich wieder zur 40-Stunden-Woche zurückkehren.

Von einer „wirtschaftlichen Atempause“ ist die Rede, welche die Senkung der Tariflöhne dem Konzern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrages verschaffen soll - „bis die angestossenen Wachstumsmassnahmen greifen“, so der Kaufhof in einer Mitteilung vom 10. Oktober.

Peter Herlitzius, Arbeitsdirektor bei Kaufhof, sieht die angestrebten Einschnitte beim Einkommen der Beschäftigten als unverzichtbar für die wirtschaftliche Gesundung der Kaufhof-Kette an. Immerhin werden noch 113 Häuser (97 in Deutschland und 16 „Galeria Inno“ in Belgien) sowie die Zentralbereiche und Logistik betrieben - der Umsatz liegt bei 3,1 Mrd. Euro.

Immerhin: mögen die Umsätze in den Kaufhof-Filialen auch stagnieren oder rückläufig sein, das Online-Geschäft wachse zweistellig, so Wolfgang Link.

Und das muss es auch, soll der traditionsreiche Kaufhof noch eine eigenständige Zukunft haben. Sonst kommt die Idee einer „Deutsche Kaufhaus AG“ als Verbindung der Rivalen Kaufhof und Karstadt schneller wieder auf die Tagesordnung, als vielen - Beschäftigten wie Management - lieb sein mag.

Todgeweihte leben länger - oder wie Amazon den Präsenzhandel aufmischt

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Seattle, 19.6.2017 - Fast schon unangenehm, an dieser Stelle so häufig über Amazon berichten zu müssen, aber das Unternehmen ist eben ein wirklicher Innovationstreiber. 

Während viele europäische Grossunternehmen erst ihr Online- und später ihr Multi,-Cross- und Omnichannel-Engagement vor der Umsetzung lange abgewogen haben, probiert der Versandhändler aus Seattle einfach aus und lässt sich dabei auch durch Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen. 

Der letzte Coup: die Übernahme der grössten Bio-Supermarktkette der Welt mit Sitz in Austin/Texas zum Preis von 13,7 Mrd. US-Dollar. Whole Foods Market betreibt aktuell 461 Läden in den USA (440), in Kanada (12) und Grossbritannien (9). 

Wie Sven Clausen im Manager Magazin vom 16.6.2017 berichtet, wäre der Kauf von Whole Foods die mit Abstand grösste Akquisition in der Amazon-Firmengeschichte und zeigt, dass Amazon nicht darauf angewiesen ist, aufwendige Lernprozesse nur im eigenen Unternehmen durchführen zu müssen, sondern sich wertvolles Know-how über Strukturen und Prozesse auch am Markt einkaufen kann. 

Auch für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH), der immerhin ein Volumen von rd. 170 Mrd. Euro im Jahr ausmacht, dürften nun nochmals heftigere Zeiten anbrechen. 

Ist die jüngste Fusionswelle mit der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka (und einigen Filialen durch REWE) gerade einmal mehr oder weniger sanft ausgerollt, heisst es sich auf die neue Herausforderung durch Amazon einzustellen. Testmärkte für Amazon Fresh sind aktuell Berlin und Potsdam. Versandkostenfrei wird ab 40,- Euro Einkaufswert geliefert, darunter fallen Versandgebühren an, zusätzlich ein monatlicher Beitrag von 9,99 Euro und ein Amazon Prime-Konto, das pro Jahr mit 69 Euro das Konto belastet. 

Klar, das Motto ist: tausche meine (teure) Zeit für Geld - und am Ende sind’s doch wieder nur die Daten, die Amazon interessieren. 

Aber so schnell sollten wir nicht wieder zur Tagesordnung übergehen: Amazon beherrscht wie vielleicht kein anderes Unternehmen Online- wie Offlinehandel und investiert sehr viel Kapital in Datensammlung und -analyse, um seine Kunden noch besser kennenzulernen. 

Der Einkauf in den LEH unterstreicht, dass Amazon dabei ist, in Kürze auch das Bild deutscher Innenstädte neu zu zeichnen: neben Geschäften von Zalando, Home24 oder Mymuesli (Kommentar von Michael Kläsgen in der SZ vom 19.6.2017) geht es um die Neuerfindung des Buchhandels, des Tante Emma-Ladens, des Supermarktes - und vielem mehr. 

Amazon wird In der Lage sein, auf sämtlichen vom Kunden gewünschten Kanälen mit diesem zu kommunizieren und v.a.: zu beraten und zu verkaufen. Und neben Ananas und Sushi schnell noch ein paar hochwertige Socken oder den neuesten Krimi dazuzupacken.

Update: Amazon Go - Supermarkt ohne Kassen

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Quelle: Video-Still des Trailers zu Amazon Go 


Seattle, 10.4.2017 - Vor ein paar Tagen berichtete das Wall Street Journal über technische Probleme im „Supermarkt der Zukunft“, einem Pilotprojekt von Amazon in Seattle.

Clou von Amazon Go soll das kassiererlose Einkaufen und Auschecken sein. Dabei überwachen Kameras und Sensoren, welche Waren die Kunden einkaufen und letztlich mitnehmen. Fast unnötig zu erwähnen, dass parallel hierzu eine ganze Menge an Big Data- und Deep Learning-Prozessen ablaufen. 

Insider berichten jedoch über ein aktuelles Problem - mehr als 20 Leute dürfen sich nicht gleichzeitig im Laden aufhalten oder sollten sich sehr langsam bewegen. Amazon verschiebt die ursprünglich zum zweiten Quartal geplante Eröffnung jetzt auf unbestimmte Zeit. Schon jetzt scheint klar zu sein: mit nurmehr drei Supermarktbeschäftigten (wie ursprünglich geplant) lässt sich die neue Technologie auch künftig wohl nicht betreiben.

***

Seattle, 11.12.2016 - Viele von Ihnen kennen die Selbstscan-Kassen in den IKEA-Möbelhäusern - häufig eine gute Idee, um sich die Warterei in den Kassenschlangen zu ersparen. Sie kramen also den Scancode von „Tröndby“, „Naxen“ oder „Tjurf“ irgendwie so hervor, dass Sie ihn mit dem 3D-Handscanner, der an einem viel zu kurzen aber umso störrischeren Kabel an der Zahlstation fixiert ist, abscannen können. 

Naja, so richtig flüssig geht das alles nicht, und ein kleines Bachelorstudium muss man auch schon absolviert haben, bevor der erste erfolgreiche IKEA-Self-Checkout mittels beschriebenem Scan und anschliessendem Zahlvorgang mit EC-Karte und Unterschrift funktioniert.

Wieviel einfacher wäre es doch, wenn Sie sich diesen ganzen aufwendigen Vorgang sparen und einfach mit den Waren, die Sie haben möchten, aus dem Laden spazieren könnten - keine Kasse, weder traditionell noch à la IKEA?

Amazon, unsere Freunde und Förderer der Künstlichen Intelligenz aus Seattle/Washington, haben sich das wohl auch gedacht und sogleich eine (fast) marktfähige Lösung vorgestellt: Amazon Go - der Supermarkt ohne Kassen.

Vier Jahre lang habe man in Seattle an Idee und Lösung des bargeldlosen Einkaufs per Smartphone, Amazon-Konto und spezieller -App „gebastelt“ - und jetzt die Beta-Version eines Amazon Go-Supermarkts eröffnet - vorerst nur für Amazon-Mitarbeiter - ab Frühjahr 2017 dann für alle Interessenten.

Und das Einkaufen ist wirklich verblüffend einfach: Amazon Go-App auf dem Smartphone öffnen (die muss vorab natürlich mit Ihren Amazon-Zugangsdaten „gefüttert“ werden), an der Eingangsschranke damit einchecken. Die App weiss nun, dass Sie mit Ihrem Einkauf beginnen. Nun kaufen Sie ein, wie Sie halt im Supermarkt einkaufen, legen Waren zurück, nehmen stattdessen neue usw. usw. Sie packen alles gleich in Ihre Einkaufstasche, Ihren Rucksack oder was immer Sie auch an Behältnissen dabei haben und gehen schliesslich einfach wieder aus dem Amazon Go-Supermarkt hinaus - fertig. Der Einkaufsbetrag wird Ihrem Amazon-Konto belastet.

Laut Branchendienst Business-Insider plant Amazon in den kommenden zehn Jahren allein in den USA, rund 2.000 dieser Supermärkte zu eröffnen, wobei noch unklar ist, ob alle vom Amazon Go-Typ sein werden. Kein Wunder, der Lebensmitteleinzelhandel in den USA gibt immerhin um die 800 Milliarden Dollar Umsatzpotential pro Jahr her (2015).

Der Einsatz geballter Künstlicher Intelligenz oder Artificial Intelligence (AI) machen die bargeldlose Shopping-Tour erst möglich. Hier setzt auch die Kritik von Datenschützern an: Jeder Griff zu einem Produkt im Regal wird von der Amazon Go-App registriert; der entsprechende Betrag erscheint sofort digital in der Anwendung - ebenfalls wird er beim Zurücklegen der Ware wieder entfernt - Amazon spricht von „virtual cart“, also einem virtuellen Einkaufswagen.

Kann das mit rechten Dingen zugehen?

Ja, sofern die komplette Vermessung der menschlichen Bewegungsabläufe während des Einkaufens als rechtens erachtet wird. Faszinierend und beängstigend zugleich.

Die Kollegen Bastian Brauns und Veronika Völlinger von ZEIT ONLINE am 6.12.2016 dazu:

„Amazon hält sich mit Details bedeckt und spricht eher nebulös von seiner Shopping-Technologie, von Computer Fusion , Deep Learning Algorithms und Sensor Fusion. Was die Schlagwörter bedeuten, erklärt der Konzern nicht. Für die Kunden bedeutet das: Sie werden nicht nur digital erfasst, sondern auch analog komplett vermessen. Details zur Technik, die Amazon in seinem Supermarkt zum Einsatz bringen könnte, lassen sich beim Technologiemagazin Recode finden. Vor etwa einem Jahr veröffentlichte Recode einen Patentantrag von Amazon, in dem das Unternehmen detailliert auflistet, welche Funktionen es patentieren lassen möchte. Inwieweit das allerdings im Amazon-Go-Supermarkt in Seattle bereits umgesetzt wird, ist unklar. 

Vereinfacht kann davon ausgegangen werden, dass ein Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien nötig sein würde: Nimmt ein Kunde beispielsweise ein Sandwich aus dem Regal, könnten Kameras das Sandwich erkennen. Sie würden außerdem erkennen, welcher Kunde das Sandwich in der Hand hält und registrieren dann den Kunden und das Produkt und übermitteln die Daten an den individuellen Amazon-Account. Der Kunde könnte aber vielleicht die Verpackung mit seiner Hand verdecken, sodass die Kameras das Produkt nicht eindeutig registrieren können. Dann wüsste das System aber, dass der Kunde oft dieses Sandwich kauft, und es weiß, dass Sandwiches genau an dieser Stelle liegen, an der der Kunde sich eines gegriffen hat.“

Klar, dass Amazon viele Nutzerdaten erheben und mit leistungsfähigen Big Data-Analysetools und -algorithmen be- und verarbeiten muss, um das kassenlose Einkaufen zu ermöglichen. Basis dafür sind die jeweils bereits bekannten Shoppingdaten der einzelnen Kunden, ergänzt durch deren Offline-Einkaufsverhalten und die intelligente Verknüpfung und Aktualisierung dieser Daten. Bewegungsprofile erstellen - oder die Frage beantworten: wie gut bist Du heute drauf? All das dürfte möglich werden. 

ZEIT ONLINE zitiert den früheren Datenschutzbeauftragten Peter Schaar, der seine Besorgnis ob dieser potentiellen Bewegungsprofile äussert. Für Europa und Deutschland sieht er jedoch keine rechtliche Möglichkeit, solche Bewegungsprofile von Nutzern zu erstellen; Kunden müssten hierzu vorab einwilligen. 

Der Gigatrend Concenience wird durch Amazon Go aber alle mal befriedigt; auch in der realen Welt. Und näher auf die Pelle rückt Amazon seinen Kunden so allemal. Dazu nochmals ZEIT ONLINE:

„Was Kunden aber offenbar am meisten schätzen sind Service und Bequemlichkeit. Und Amazon befriedigt dieses Bedürfnis mit immer neuen Ideen. Das Konzept der Amazon Go Lebensmittelläden jedenfalls passt zur konsequenten Strategie des Unternehmens, immer näher an seine Kunden heranzurücken, auch in der analogen Welt. 

Längst werden Lieferungen nicht mehr nur mit der Post oder Paketdiensten gebracht. Mit seinen eigenen Lieferdiensten Amazon Prime oder Amazon Prime Now schickt das Unternehmen inzwischen eigene Kuriere direkt zu seinen Kunden und übergibt die Waren persönlich. Sogenannte Pick-up-Stores plant Amazon ebenfalls. Auch sie sollen bald eröffnen. Kunden können hier ihre bestellte Ware direkt selbst abholen, ebenfalls mit angekündigt nur geringer Wartezeit.

Alles richtig gemacht, Amazon? Schaun’ wir mal, wie es bei uns in Deutschland damit weitergeht.

Kaufhof - Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall?


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Quellen: Wasser - pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)
HBC-Logo / GaleriaKaufhof-Logo - Montage: Michael Borchardt


Düsseldorf, 9.4.2017 - Dieser Tage berichtete die BILD-Zeitung, dass es im Reich des neuen Kaufhof Galeria-Eigentümers, der kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC), mächtig knirsche. 

Hudson’s Bay hatte die deutsche Kaufhauskette - mit viel Vorschusslorbeeren bedacht - im Herbst 2015 von der Metro-Gruppe übernommen. Damals setzten Branche wie Mitarbeiter auf eine rosige Zukunft mit generalüberholten Filialen, neuen Marken, stärkerer Konzentration auf den Textilbereich und konsequenter Verzahnung von Off- und Online-Kanälen. Jetzt droht dem kanadischen Handelskonzern das Geld für die angekündigten Sanierungen auszugehen. 

So schrieb er im Ende Januar abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 einen Verlust von umgerechnet 360 Millionen Euro. Verantwortlich hierfür sowohl die Saks of 5th-Outlet-Stores (gerade sie ein Modell für Deutschland) als auch die Online-Platform Gilt. Die deutschen Kunden konnten sich denn auch im vergangenen Weihnachtsgeschäft über satte Rabatte im Weihnachtsgeschäft freuen. Trotzdem lief bei Kaufhof ein Verlust von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf; Karstadt konnte im gleichen Zeitraum Umsatzgewinne verbuchen. 

So liegen der Bild-Zeitung zufolge die von HBC versprochenen Investitionen in rund 100 deutsche Kaufhof-Filialen aktuell auf Eis. Kaufhof-Vorstandschef Olivier Van den Bossche zog für sich denn auch die Konsequenzen und verliess den Konzern in den ersten Apriltagen. Sein Nachfolger soll der ehemalige Toys ‚R‘ Us-Europachef Wolfgang Link werden. 

Das Führungspersonal von HBC, geschäftsführendes Vorstandsmitglied Gerald (Jerry) Storch und der Verwaltungsratschef und Grossaktionär, Richard Baker, werden inzwischen nicht müde zu betonen, dass die geplanten Investitionen in die europäischen Kaufhäuser in Belgien, den Niederlanden und Deutschland umgesetzt werden. Dem gegenüber stehen Kürzungsabsichten, wie sie Ulrike Howe in der Textilwirtschaft am 5. April publizierte: umgerechnet rund 54 Millionen Euro pro Jahr sollen im gesamten HBC-Konzern eingespart sowie Stellen abgebaut werden. Für die Kaufhof-Filialen beträfe dies bereits im laufenden Jahr die Streichung von Aushilfsjobs und befristeten Stellen. Ebenfalls sollen die Lieferanten über erneute Preisverhandlungen wiederum an der Sanierung beteiligt werden. Ausserdem werde über einen günstigeren Haustarifvertrag für die Kaufhof-Angestellten nachgedacht. 

Was geschieht also mit den jährlich 200 Millionen Euro, die - avisiert bei der Übernahme - in die jährliche Erneuerung der Kaufhof-Häuser gesteckt werden sollten?

Kaufhof-Kunden können sich derweil auch im Ostergeschäft über satte Preisaktionen freuen: 20 - 25 Prozent sind, je nach Aktion, an Rabatten drin. Ein kompletter betriebswirtschaftlicher Wahnsinn. Irgendwie erinnert das Gesamtbild an die damalige Übernahme des Karstadt-Konzerns durch Nicolas Berggruen. Auch für die Kanadier scheint der deutsche Einzelhandel ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Zumal ist die Einflussnahme der kanadischen Zentrale und damit das Beschneiden regionaler Handlungsmöglichkeiten jetzt schon offensichtlich. Die Rabatte schaffen die falschen Kaufanreize und verringern die Marge dramatisch; Investitionspläne sind nebulös und folgen anscheinend in erster Linie PR-Regeln.

Doch noch einmal zurück zu Jerry Storch und Richard Baker. Die beiden Herrschaften besuchten dieser Tage die Düsseldorfer Kaufhof-Zentrale und warfen nach Einschätzung von Carsten Diesig, WELT N24-Wirtschaftsressort, in einer Pressekonferenz mit Superlativen nur so um sich. Selbstverständlich werde man „das Warenhaus besser machen“ und auch junge Zielgruppen ansprechen und binden. 400 Millionen Euro sollen in diesem Jahr tun Europa investiert werden, 50 Prozent in die Kaufhof-Filialen, die andere Hälfte in den Aufbau einer Kaufhauskette in den Niederlanden. Damit soll 2017 und 2018 ein jährliches Wachstum in Europa von 20 Prozent erzielt werden. Aus meiner Sicht kompletter Nonsens. 

Selbstverständlich kommen Modernisierungen von in die Jahre gekommenen Häusern wie Aachen, Düsseldorf, Leipzig oder Stuttgart auch beim Publikum gut an - die Frage der Nachhaltigkeit dieser Investitionen bleibt jedoch bestehen. Bislang profitierten davon v.a. die Damenschuhabteilungen und die Haushaltswaren (GPK). 

An weiteren Standorten werden ab Anfang Juni die ersten Saks Off 5th-Outlets öffnen. Motto hier: Mode, Schuhe und Accessoires zu unschlagbaren Preisen. Auch das haben wir so ähnlich schon einmal gehört. Umgesetzt werden soll das Outlet-Konzept in Frankfurt am Main, Heidelberg, Stuttgart und Wiesbaden. 

Handelsexperten sehen das eigentliche Problem der deutschen Kaufhäuser aber nicht nur in einer Überalterung der Kundschaft, sondern auch in einer schwierigen Wettbewerbssituation. Jede einzelne Abteilung eines Kaufhauses müsse mit spezialisierten Wettbewerbern konkurrieren - und dabei noch Gewinne schreiben. Ziemlich schwierig, wenn das Online-Prinzip der kompletten Verfügbarkeit (fast) sämtlicher Marken auf das reale Kaufhausleben übertragen werden soll. 

Pessimistisch zeigt sich hier auch BBE-Geschäftsführer Joachim Stumpf. Er prophezeit eine breite Bereinigung im deutschen Kaufhaus-Filialbereich. Dabei wird immer wieder die Idee einer gemeinsamen „Deutsche Kaufhaus AG“ ins Spiel gebracht, sprich: eine Fusion von Kaufhof und Karstadt. Auch das ein Dauerbrenner.

Markentreue - Neue Studie ist auf der Suche nach Stammkunden


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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 6.4.2017 - Markentreue - nicht nur für Hersteller ein heisses Thema; auch die Händlermarke sichert Reputation, Kundenfrequenz, -treue, Loyalität und Umsatz. Oder ist doch alles ganz anders? 

Vor ein paar Tagen berichtete die Frankfurter Digitalagentur Wunderman mal wieder über das Thema - und stellte die Ergebnisse einer kleinen Studie zur Markentreue vor.

Aufs Privatleben übertragen liesse sich vom Kundenwunsch nach einer offenen Beziehung sprechen: „Sei Du nur absolut vertrauenswürdig und verbindlich - ich nehme mir dann schon meine Freiräume.“ Oder: ich möchte als Kunde bei jedem „Nachhausekommen“ wieder loyal und mit offenen Armen empfangen werden. Ziemlich anspruchsvoll, unser Kunde - und konfliktscheu dazu. Schnell sind der Einkaufskanal, Händler oder die Marke gewechselt, bis - ja bis zum nächsten Mal.

Immerhin bleiben Statista in Wiesbaden zufolge 56% der Deutschen einer Marke treu, wenn sie mit ihr zufrieden sind.

Aber der Reihe nach. Annette Mattgey von LEAD digital stellt die Methode von Wunderman kurz vor:

„Das Forschungsprojekt (von Wunderman, MB) versucht zu ergründen, wie Marken die Beziehung zu ihren Kunden festigen und ihre Loyalität steigern können. Am Anfang stand eine Trendanalyse, um die relevanten Kultur-Insights abzuleiten. In Schritt zwei folgte eine qualitative Exploration als Gruppendiskussion mit der Kernzielgruppe (Marken- und Digital- bzw. Smartphone-affine, 50 Prozent Männer/ Frauen, 27-37 Jahre, höheres HNE (Haushaltsnettoeinkommen, MB) ab 2.500 Euro, berufstätig, Teilnahme an mindestens einem Treueprogramm).  Eine Online-Befragung der Kernzielgruppe rundete das Projekt ab.“

Die Ergebnisse der Wunderman-Studie sind durchaus spannend:


1. „Das Markenerlebnis darf kein Zufallsprodukt sein“

Jeder Kontakt des Kunden mit einer Marke muss als Markenerlebnis geplant werden. Der Kunde sucht und wünscht sich eine „Customer Experience, die von Wertschätzung und unaufdringlicher Fürsorge geprägt ist. Alles soll jederzeit perfekt, mühe- und reibungslos funktionieren. Jeder offensichtliche Versuch den Konsumenten fremd zu bestimmen, stößt auf Abwehr. Für Marken gilt es den Grat zwischen ‚sich wertgeschätzt fühlen‘ und ‚genervt sein‘ individuell auszuloten.“ Jeder „Touchpoint“ kann also positiv auf die Markenwertschätzung einzahlen oder das genaue Gegenteil bewirken.


2. Markenerlebnis wird durch Treueprogramme bereichert

Besonders aktive Konsumenten (Prosumer) möchten mit ihrer Lieblingsmarke interagieren und diese mitgestalten, von dieser inspiriert werden und auch von Entscheidungszwängen entlastet werden (Convenience) - hier kommen sehr subtile individualpsychologische Momente ins Spiel, die bis zur dezenten Fixierung reichen können. Bietet eine Marke so beispielsweise Treueprogramme an, werden diese sehr gerne von Kunden genutzt - von Prosumern wie passiven Verbrauchern.


3. Treuekiller „Schlechter Service“

„Enttäuscht der Service in kritischen Momenten, wird die Marke mit Untreue und negativer Mundpropaganda bestraft. Anders herum ist guter Service ein Beziehungsbooster. Die Mehrheit der Studienteilnehmer (58 Prozent) sagt, dass Marken, von denen sie überzeugt sind, mehr bieten als nur gute Produkte, beispielsweise auch besseren Service. Fast genauso viel (57 Prozent) würden für das Drumherum wie Service, Erreichbarkeit und Beratung sogar mehr zahlen. Marken müssen also sicherstellen, dass die Customer Experience an jedem Kontaktpunkt exzellent ist. Das ist die Grundvoraussetzung für die Loyalität und Treue der Konsumenten.“


4. Verbindung durch gemeinsame Werte

Jeder Kontaktpunkt sollte einen emotionalen und/oder funktionalen Markennutzen vermitteln - je klarer und inspirierender, desto eher bilden sich Treue und Loyalität bei den Kunden aus. Beide Begriffe sind den Studienautoren zufolge fein auseinanderzuhalten: während Treue „lediglich“ aufgrund nicht enttäuschter Erwartungen beim Kunden entsteht, basiere Loyalität auf gemeinsam geteilten Werten, die sich leben lassen und in der Marke Bestätigung finden - kurz: passiver versus aktiver Prozess. Marken sind deshalb auf eine aktive Ausformung und Kommunikation von Werten angewiesen - auf Authentizität. Damit differenzieren sich gleichzeitig die Kundensegmente heraus, die von einer Marke angesprochen werden (sollen).


5. Beziehung zur Marke - verlässlich, aber jeden Tag aufregend neu - ein Muss

Sie sehen, die starke Marke hat’s nicht leicht. Klar, je enger sich eine Marke in das Alltagsleben der Kunden einpasst, desto intensiver kann die Beziehung zwischen beiden werden. Customer Experience spielt den Autoren der Wunderman-Studie auch hierbei eine zentrale Rolle. Doch wie eine gute Beziehung braucht es auch hier kontinuierlich neue Ideen, Impulse und Abwechslung. Big Data und digitale Lösungen als Teil der Lösung: „Dabei kommt es auf die intelligente Verknüpfung von Kundendaten, Automatisierungslösungen und digitalen Touchpoints an, die über rein werbliche Ansätze hinausgehen.“


Pointiert lassen sich die Ansprüche der Kunden an „ihre“ Marken(n) als fragile und gleichzeitig sehr belastbare Verbindung charakterisieren. Fragil, wenn sich die Marke und deren Kommunikation dem Kunden allzu sehr aufdrängt, in seine Rückzugsbereiche vorstösst oder ihn aktiv zu binden versucht. Belastbar, wenn eine Marke bei der sehr vielgestaltigen Customer Journey eines Kunden dessen Präferenzen nicht nur genau kennt, sondern auch deren Veränderungen im Zeitverlauf oder in verschiedenen sozialen Kontexten berücksichtigen kann. Ohne Big Data und verlässliche Auswertungstools nicht zu leisten. Der Verbraucher stellt die Spielregeln und Bedingungen für die Markenbeziehung auf - so auch Andreas Wagner, Head of Strategic Planning bei Wunderman Deutschland und Projektleiter der Markenstudie.

EuroShop 2017 in Düsseldorf - gelungene Geburtstagsfeier zur 50. Auflage


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EuroShop 2017 - Blick ins Atrium


Düsseldorf, 12.3.2017 - Alle drei Jahre haben Händler die Chance, sich auf der EuroShop in Düsseldorf von den neuesten Trends bei Ladengestaltung, Beleuchtung, Retail Software, Logistik u.v.a.m. inspirieren zu lassen, sich Demos anzuschauen, Hintergrundvorträge zu verfolgen und natürlich die Beratungskompetenz der Aussteller abzufragen. 

Heuer bot die 50. Ausgabe der EuroShop wieder ein regelrechtes Feuerwerk an Innovationen für den Handel. „Intelligente“ Digital Signages, die Kunden im Bekleidungshandel nicht nur vermessen können, sondern diesen per künstlicher Intelligenz auch gleich Dressing-Vorschläge unterbreiten (IBM), beeindruckende Visual Merchandising-Lösungen für die unterschiedlichen Retail-Segmente, Videoanalyse des Einkaufswagens auf „versteckte“ Waren in oder unter dem Korb (caddycheck aus Belgien) u.v.m.

Beeindruckend auch die objektiven Daten: über 113.000 Besucher (+4 Prozentim Vergleich zu 2014) aus 139 Nationen trafen auf 2.368 Aussteller aus 61 Ländern in achtzehn Messehallen mit über 127.000 Quadratmetern Netto-Ausstellungsfläche. Dabei fällt wieder einmal auf, - hier eine Parallele zu den Konsumgütermessen des Frühjahrs - dass mit 34 Prozent der Besucher ein Drittel aus dem Inland, hingegen zwei Drittel aus dem Ausland nach Düsseldorf kamen. Das schmälert natürlich nicht das positive Gesamtbild der Messe - verweist aber auf das immer düsterer werdende Bild des deutschen Einzelhandels.

Denn die sieben Dimensionen der EuroShop (den Messeunterlagen entnommen), die thematisch recht sauber auf der Fläche umgesetzt wurden, boten sicherlich für jedes Besucherinteresse etwas:

  • POP Marketing
  • Expo & Event Marketing
  • Retail Technology
  • Lighting
  • Visual Merchandising
  • Shop Fitting & Store Design
  • Food Tech & Energy Management

Drei Hauptthemen der EuroShop 2017 standen im Mittelpunkt:

  • Digitalisierung
  • Omnichannel-Lösungen
  • Emotionalisierung des Einkaufserlebnisses

Dazu ein Zitat von Michael Gerling, Geschäftsführer des Kölner EHI Retail Institute, aus dem Abschlussbericht der Messe Düsseldorf:

„Der Kunde erwartet beides, einerseits das Einkaufserlebnis vor Ort, andererseits die Lieferung an die eigene Haustür. Der klassische stationäre Handel baut seine Webshops immer mehr aus und die großen Onlinehändler setzen mehr und mehr auf die Eröffnung eigener Läden. Die EuroShop hat es geschafft, beide Welten zusammenzubringen (…) Ladengeschäfte und Onlinehandel wachsen immer mehr zusammen und so verschmelzen auf der EuroShop auch die Ausstellungsbereiche Ladenbau und Technologie zunehmend.“

Diese Einschätzung trifft sicherlich in mehrfacher Hinsicht zu: Geschichten (rund um Produkte) zu erzählen, war sicherlich schon immer eine Kernkompetenz des Handels und seiner Beschäftigten auf der Fläche. Nun macht sich dieses Storytelling aber auf, zusammen mit einem orchestrierten Visual Merchandising den Kunden eine gemeinsame Dramaturgie der laufenden Ereignisse, sprich ihres Einkaufserlebnisses zu präsentieren. Das mag sowohl als qualitativer Sprung wie auch als Abwehrszenario gegenüber den reinen Onlinern gewertet werden.

Aber die Notwendigkeit zum Zusammenwachsen der Absatzkanäle findet ja auch abseits der EuroShop und gerade bei jenen Händlern statt, die bislang noch wenig oder gar nicht in moderne Infrastruktur und/oder Online-Präsentationen investiert haben. Und die Situation für diese Klientel wird sicherlich nicht übersichtlicher.

Eine Lösung kann die Beteiligung an sogenannten regionalen Webkaufhäusern, (Online-) Marktplätzen oder auch App-gesteuerten Shopping-Guides sein.

Freilich bieten auch die grossen Online-Händler wie Amazon oder eBay kleineren Händlern die Möglichkeit, dort ihre Produkte zu positionieren. Viele Retailer scheuen aber vor hohen Provisionen und nicht unerheblichem Aufwand zur professionellen  Präsentation ihrer Produkte zurück.

Für den lokalen Einzelhandel können deshalb örtlich überschaubare Lösungen wie die Siegener Lokaso spannend sein, die von der Firma Billiton betrieben wird. Die Idee dahinter ist schnell skizziert: lokale bzw. regionale Händler stellen Produkte ihrer Wahl in einem gemeinsamen virtuellen Kaufhaus aus, die Kunden müssen auf ihrer Online-Shoppingtour dieses Kaufhaus idealerweise nicht mehr verlassen und können ihren Einkaufswagen-Inhalt gemeinsam bezahlen, unabhängig davon, welcher Händler die jeweilige Ware ursprünglich eingestellt hat. Die Abrechnung wie auch die Werbung erfolgen über den Dienstleister Billiton, ebenfalls die Zustellung an zwei werktäglichen Zeitfenstern. Für die Kunden bleibt dieser Service kostenfrei. Die Plattform finanziert sich durch Beiträge der Händler und Provisionen. 

Wichtig hierbei: die Webseiten der Händler lassen sich bei Lokaso individuell je nach Geschäftsfeld anpassen und können je nach Wunsch die komplette Implementierung der Logistikprozesse bis in die Händlerwarenwirtschaft hinein umfassen - falls gewünscht auch die Pflege der Angebotspalette. Bequemer für die Präsenzhändler geht’s kaum.

Die potentiellen Kunden können das Angebot per Responsive Design auf ihren mobilen Geräten oder am PC bzw. Laptop nutzen; für Sommer 2017 sind iOS- und Android-Apps geplant. Künftig lassen sich auch noch ausgefeiltere Same-Day-Delivery-Szenarien vorstellen: Kunden sitzen im Café oder Restaurant und lassen sich die gerade online bestellten Produkte dorthin liefern. Ebenso sind schnelle Ersatzabgabeorte eingetippt und intelligente Zahlfunktionen implementiert.

Siegen als Pilotprojekt für Lokaso läuft nach Darstellung des Unternehmens erfolgreich bei aktuell 42 teilnehmenden Unternehmen und arbeitet bereits rentabel.

Ähnliche Konzepte existieren nach Darstellung Alfred Krügers in der Fachzeitschrift Absatzwirtschaft auch bereits in anderen Regionen Deutschlands: so betreibt Atalanda.com vergleichbare Webkaufhäuser in Bedburg, Dortmund, Freilassing, Göppingen, Heilbronn, Wolfenbüttel und als vielleicht bekanntester „Business Case“ Wuppertal - auch das Angebot „Einkaufen in Attendorn“ ist hier angesiedelt. 

In Mönchengladbach wird hingegen eine Kooperation mit eBay verfolgt: Unter dem sinnfälligen Titel „Mönchengladbach bei eBay“ wurden laut Krüger in den ersten neun Monaten des Projektes rund 87.500 Artikel im Gesamtwert von 3,2 Millionen Euro verkauft - ob das den teilnehmenden Händlern reicht, bezweifle ich.

Eine Anmerkung sei noch gestattet: während Kunden sehr schnell vom stationären in den virtuellen Handel wechseln, scheint der umgekehrte Weg eher gut gemachtem Marketing oder dem Wunschdenken von Präsenzhändlern zu entspringen: denn vielen Kunden scheint Name und Herkunft ihrer Internet-Shoppingquelle ziemlich egal zu sein - Hauptsache, die Bequemlichkeit des Einkaufens wird unterstützt.  

Eine noch recht junge Kooperations-Plattform zum Thema, die „Local Commerce Alliance“, hat gute Chancen, sich zu einer Anlaufstelle für interessierte Händler und Anbieter zu entwickeln - viel Erfolg dabei.

Die nächste EuroShop findet vom 16.-20. Februar 2020 statt - nächstes Jahr alternativ die technologiezentrierte Handelsmesse EuroCIS (27. Februar bis 1. März 2018).

Geht Rocket Internet der Treibstoff aus?


Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)
Bearbeitung: Michael Borchardt


Berlin/München, 26.2.2017 - Zeitung lesen bildet bekanntlichermassen - so auch dieses Wochenende speziell der Beitrag „Der letzte Schrei“ von Caspar Busse in der Süddeutschen Zeitung.

Die Story ist schnell erzählt: jahrelang hatte Oliver Samwer (und auch seine Brüder Marc und Alexander) ein goldenes Händchen wenn es darum ging, sich als Investor an Start-ups mit teils abenteuerlichen oder skurrilen Geschäftsmodellen zu beteiligen, daraus grosse und umsatzstarke Unternehmen zu formen und diese dann an die Börse zu bringen oder an alternative Kapitalanleger zu verkaufen. Das Vehikel für diese Aktivitäten heisst seit 2007 und bis heute Rocket Internet SE, ein an der Frankfurter Börse im Prime Standard notiertes Unternehmen - CEO Oliver Samwer.

Seit einiger Zeit scheint der Investorenrakete aber der Treibstoff auszugehen, berichtet Caspar Busse:

„Seit dem Börsengang im Herbst 2014 ist der Aktienkurs von Rocket Internet nach unten gegangen. Die Verluste steigen und steigen, in den ersten neun Monaten 2016 sind es 650 Millionen Euro. Die Aktionäre sind unzufrieden, es gibt immer wieder Streit. Etliche Weggefährten haben das Unternehmen verlassen.“

Vor knapp einer Woche trennte sich auch der langjährige schwedische Co-Investor Kinnevik von der Hälfte seiner Rocket Internet-Aktien - dort sehe man einen Interessenkonflikt in den Geschäftsstrategien der beiden Unternehmen.

Kein Wunder, ursprünglich galt Rocket Internet als Gründer bzw. Trüffelschwein für spannende Start-ups - häufig nach amerikanischem Vorbild; Kinnevik hingegen als klassischer Investor.

Inzwischen haben sich die Rollen angenähert; Rocket Internet investiert selbst in aktuell rund 100 Online-Unternehmen in Europa, Asien und Afrika und tritt damit als Beteiligungsfirma in direkten Wettbewerb zu Kinnevik.

Dabei haben die beiden Unternehmen eine lange gemeinsame Vergangenheit - Zalando, Westwing, Home24, Delivery Hero, Hello Fresh - und viele weitere Investments.

Diese Kooperation scheint nun nicht zuletzt aufgrund der aggressiven und forschen Geschäftspolitik Oliver Samwers vor dem Aus zu stehen - einige Zitate mögen als Illustration dienen:

„aggressivste(r) Mann im Internet“ (Selbstbeschreibung Oliver Samwer)

„Die Faszination des Neuen ist weg, die Magie fehlt“ (ehemaliger Weggefährte)

„Normalität mag er nicht“ (der gleiche ehemaliger Weggefährte)

„One-Trick Pony“ (über Samwer)

„freundliche Grundaggressivität“ (über Samwer)

„Geschäfte sind Mittelalter, sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“ (Oliver Samwer)

„Wenn ihm jemand mit schwachen Argumenten kommt, dreht er durch“ (ein Berliner Gründer)

„Oft hat er recht, aber Ollies Urteile sind unerbittlich“ (der gleiche Gründer)

„Mit Druck kann ich gut umgehen, das bin ich gewohnt“ (Oliver Samwer)

„Wir sind davon überzeugt, dass wir mit Rocket Internet auf dem richtigen Kurs sind, auch wenn es unterschiedlich viel Wind und unterschiedlich hohe Wellen gibt“ (Oliver Samwer)

„Auch das Römische Reich ist irgendwann zu gross geworden“ (Geschäftspartner)

„Früher war Rocket Internet wie eine Klassenfahrt ohne Lehrer“ (ehemaliger Mitarbeiter)

„Das war schon damals ein prima Kerl, der wollte von Anfang an Unternehmer werden“ (Horst Albach, emeritierter Professor für Betriebswirtschaftslehre über Oliver Samwer)

„Seine Stellung ist stärker denn je“ (aus dem Umfeld Samwers)

Frühjahrsmesse AMBIENTE - Grösse über alles?


Trends 2017 Galleria 1 AMBIENTE 2017

AMBIENTE 2017 - Trendshow in der Galleria Ebene 1


Frankfurt am Main, 15.2.2017 - Monatelang bereiten sich deutsche und internationale Aussteller auf ihren Auftritt auf der Frankfurter Frühjahrsmesse, der AMBIENTE, vor: ein möglichst optimaler Standplatz in einer der angesagten Hallenebenen sollte es dann schon sein. Das bedeutet intensive Gespräche mit den jeweils verantwortlichen Verkäufern und Verkäuferinnen der Frankfurter Messe und ein teilweise jahrelanges „Hochdienen“ bis zum gewünschten Standort. Gerade die Hallen 9 und 11 (und Hallen 3 und 4 bei der GPK-Branche) sind bei Ausstellern und Besuchern sehr beliebt, zielen sie doch mit ihrem Ausstellungsangebot auf eine höhergenrige Händlerschaft mit designorientierter wie kaufkräftiger Endverbraucher-Klientel ab. 

Anschliessend die Konzeption und Umsetzung des Messestandes - (Innen-)Architekten, Messe- bzw. Ladenbauer, Handwerker und nicht zuletzt die Transportunternehmen - erst die Kooperation mehrerer Branchen ermöglicht als Abschluss den grossen Auftritt auf der AMBIENTE. Zwei bis drei Tage Auf- und Abbau der Stände,  dazu die fünf Messetage selbst - auch von den Nebenkosten her gesehen kein ganz preiswertes Vergnügen. Da kommen bei mittelgrossen Ständen in summa schnell schon einmal hohe fünf- oder gar sechsstellige Summen zusammen. Und die wollen dann ja auch während der Messe (oder durch ihr noch nachfolgende Orders) erst einmal eingespielt werden.

Und da beginnen auch die aktuellen Probleme, denn das geschilderte Grundmodell einer funktionierenden Messe lässt sich nach Einschätzung der rund 50 von mir während der AMBIENTE interviewten Aussteller in den Hallen 3, 9 und 11 immer seltener umsetzen. 

Die Gründe hierfür entziehen sich einfacher Betrachtungen. Vielmehr scheint ein ganzes Bündel von Ursachen dem Phänomen zugrunde zu liegen.

Beginnen wir mal mit überschaubaren Entwicklungen der vergangenen Monate auf Händlerseite: In Deutschland (und vielen weiteren europäischen Ländern) ist das Weihnachtsgeschäft vor Ort im langjährigen Vergleich überaus mau gelaufen. Der klassische stationäre Handel gab auch im November und Dezember 2016 weiterhin Anteile des Einkaufsvolumens an den E-Commerce ab. Die Angst vor Terroranschlägen hielt viele einheimische Kunden aber auch Touristen vom Einkauf in normalerweise stark frequentierten Einkaufsvierteln ab. Eine partielle Kompensation gelang hier sicherlich v.a. den grossen Möbelhäusern auf der grünen Wiese mit ihrem immer stärker werdenden Randprogramm sowie Händlern einzelner Einkaufszentren bzw. Shopping-Malls.

Unerfreulicherweise schloss sich bei vielen Präsenzhändlern ein ebenfalls umsatzschwacher Monat Januar an - beides, also schwaches Weihnachtsgeschäft wie schwungloser Jahresbeginn, drückte auf die Liquidität der Händler. Die in Deutschland übliche Umsatzststeuerabführung aus den Dezemberumsätzen am 10. Februar des Folgejahres- also pünktlich zu Messebeginn - belastete die Situation gerade für kleinere und mittelgrosse Händler zusätzlich - monetär wie psychologisch.

Dazu konkurrierten bereits zu Beginn des neuen Jahres die Regionalmessen in München, Hamburg und Dortmund um Gunst und Budgets der Einkäufer, dazu die Frankfurter Paperworld, Christmasworld und die Pariser Maison & Objet. Von den Textil- und Möbelmessen von Frankfurt bis Hannover, von Köln bis Stockholm wollen wir in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht erst reden, müssen jedoch trotzdem darauf hinweisen, weil sich auch die Portfolios der Messen laufend verändern und sich in Teilbereichen einander angleichen.

So endete die Frankfurter AMBIENTE am 14. Februar nach Angaben des Schlussberichts der Frankfurter Messegesellschaft zwar mit einem Besucherplus von 4 Prozent, gleichzeitig kamen bereits 55 Prozent der Besucher aus dem Ausland; bei den Ausstellern mehr als 80 Prozent - mit weiter steigender Tendenz.

Für die deutschen Aussteller bedeutet dies zweierlei: ihre angestammte Händlerklientel macht sich auf der AMBIENTE zusehends rar; Einkaufsbudgets werden zurückgefahren oder aufgesplittet. Ausländische Einkäufer können diesen Verlust theoretisch ausgleichen; gleichzeitig wird jedoch die Sichtbarkeit der Produkte und damit auch der Marken auf der heimischen Handelsfläche geringer.

Dazu gesellt sich wie ehedem das Problem preiswerter Kopien deutscher Produkte - aus Fernost wie Europa - wie sie mal wieder exemplarisch auf der Sondershow Plagiarius im Verbindungsgang zwischen den Hallen 5 und 6 gezeigt wurden. Nicht immer gelingt es auch gut informierten Endkunden, im Handel hier die Spreu vom Weizen zu trennen.

Als Positivum zeigte die Frankfurter Messegesellschaft (wieder einmal) ein sehr attraktives Programm rund um die Kernmesse:

  • Trends 2017 - eine Sondershow in der Galleria 1 - entworfen vom Frankfurter Stilbüro Bora.herke.palmisano - Materialien, Farben und Oberflächen, in einer sinnlichen Art erlebbar und deutlich spannender, als das Pendant auf der Paperworld vor zwei Wochen.

  • Design Plus Sonderedition „Ethical Style“ - direkt gegenüber der Trendshow wurde eine Ausstellung nachhaltig hergestellter Produkte präsentiert, die unterschiedlichsten Lebensbereiche umfassend.

  • German Design Award - hochkarätige Sonderausstellung des Rates für Formgebung - von der faltbaren Badewanne bis zur schön designten Wasserzisterne, vom Besteck bis zum Naked Bike aus Münchner Fertigung. Ein Muss in der Galeria 1.

  • AMBIENTE Academy - das Vortragsareal mit handelsrelevanten Themen in der Halle 9.2.

  • Readers’ Corner - Vorträge der britischen Designer Janice Kirkpatrick (die auch das Gastland-Sonderareal im Foyer der Halle 4 gestaltet hat), Bethan Gray und Sebastian Bergne über Historie und Charakteristika britischer Produkt- und Objektgestaltung.

  • Solutions - Problemlösungen für alltägliche Probleme in Küche und Haushalt (Gestaltung: Sebastian Bergne).

  • Talents - Design-Newcomer in den Bereichen „Dining“, „Giving“ und „Living“.  

  • Next - Förderareal für junge und kreative Unternehmen der nächsten Generation.

  • Accessories & Jewelry - schöne Produkte und schöne Stände - modisch und/oder kunsthandwerklich - von Schmuck, Lederwaren, Taschen und Gürteln bis zu Pflege- und Wellnessartikeln - in idealer Kombination.

  • Premium-Areal in der Halle 11.1 - analog dem „Village“ auf der Hamburger Nordstil - eine Kooperation designorientierter deutscher inhabergeführter Aussteller.

  • DENSAN - „The Association for the Promotion of Traditional Craft Industries“ - ein sehr schöner Sonderstand mit handwerklich hergestellten Produkten aus Japan in der Galleria 0 - und direkt in der Nachbarschaft zur grössten Buchauswahl auf der AMBIENTE - bei DT Collection.

  • Dazu kommen weitere zahlreiche Design- und Sonderschauen in oder vor den einzelnen Hallen - spannend und v.a. inspirierend für die Einkäufer.


Stellt sich abschliessend die Frage nach einem Fazit der fünf Tage AMBIENTE: gar nicht so einfach; Eindrücke wie Auskünfte waren sehr facettenreich und teilweise auch widersprüchlich. 

Eine Kritik, die immer wieder von Ausstellern geäussert wurde: Betreuung und Kommunikation von Seiten der Messe liessen sich sowohl im Vorfeld als auch während der Veranstaltung stark verbessern - andere Veranstalter (auch im europäischen Ausland) seien hier bereits weiter. 

Die Ausstellermischung in der Halle 11.0 gab einigen Ausstellern Anlass zur Klage - zu heterogen sei die Zusammenstellung im Laufe der letzten Jahre geworden - einige Aussteller haderten gar mit der Idee einer erneuten Teilnahme an der AMBIENTE 2018. 


Fotostrecke zur AMBIENTE 2017

Fotostrecke zur AMBIENTE 2017


Konsumausgaben in Europa - Studie der Messe Frankfurt und des IFH Köln


20170208 Cover Management Report Konsumausgaben Europa Kopie

Quelle: Messe Frankfurt 2017, veröffentlicht am 8.2.2017 - Titel der vorgestellten Studie


Frankfurt am Main, 8.2.2017 - Pünktlich zur am kommenden Freitag beginnenden Frankfurter Frühjahrsmesse AMBIENTE veröffentlicht die Messe Frankfurt in der Reihe ihrer Management Reports eine Studie des IFH Instituts für Handelsforschung, Köln mit dem Titel „Konsumausgaben in Europa. Eine Studie zum Vergleich europäischer Märkte“. Auf Seite 2 führen die Autoren ein:

„Untersucht werden Marktvolumina und Umsatzentwicklung von Konsumgütern, die für die Messe Ambiente typisch sind: GPK/Hausrat, Elektrokleingeräte, Kleinmöbel, Gartenausstattung/-dekoration, Lederwaren/Accessoires und Schmuck.

Dabei werden auch die Marktstrukturen sowie die Ausgaben pro Kopf oder pro Haushalt bezogen auf die verschiedenen Warengruppen und Länder der europäischen Union verglichen. Im Fokus stehen insbesondere die Analyse von acht der größten nationalen Märkte des europäischen Wirtschaftsraums: Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien, Niederlande, Österreich, Polen und Spanien.

Die Ergebnisse des Reports sind nicht nur für Hersteller und Exporteure interessant, sondern auch für Händler, die EU-übergreifend ihre Produkte anbieten. Mit Ausnahme von Kroatien, welches als 28. und vorerst letztes Mitglied 2013 der Europäischen Union beigetreten ist, werden die Daten aller restlichen 27 Mitgliedsländer in der Studie berücksichtigt.


Downloadlink zum PDF des Management Report „Konsumausgaben in Europa“


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