Tupperware® - Abschied von den Parties?

Foto: Tupperware Deutschland GmbH - Verwendung mit deren freundlicher Genehmigung.


Orlando/Florida - Frankfurt am Main, 21.6.2018 - Seit 1962 ist das US-Unternehmen Tupperware Brands nun auf dem deutschen Markt aktiv und 90% der deutschen Haushalte kennen den berühmten „Tupper-Seufzer“, das sanfte Geräusch beim Verschliessen der wunderbar auslaufsicheren Kunststoffdosen, die inzwischen längst zum Gattungsbegriff für leichte, wiederverschliessbare und -benutzbare Behälter aus Kunststoff geworden sind.

Und die Idee des US-Chemikers Earl S. Tupper war zu seiner Zeit wirklich genial: kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs experimentierte er mit dem Kunststoff PE - Polyethylen - und kreierte die „Wonderbowl“, eine Schüssel, die in der Lage war, Lebensmittel luftdicht abzuschliessen, dadurch deren sauerstoffbedingte Oxidation zu verlangsamen und sie somit deutlich länger konsumierbar zu machen.

Ungewöhnlich allerdings war und ist bis heute der Vertriebsweg der Tupperware-Produkte: die „Tupperparty“. 

Sehr gerne denke ich an diverse Einladungen zu solchen Events zurück - zu Zeiten, als der Begriff noch nicht so abgenutzt war wie heute.

Die Gastgeberin bzw. Veranstalterin legte sich vor einer Tupperparty regelmässig wie verrückt ins Zeug und tafelte an der Party Selbstgebackenes und -gekochtes in immer ausgefeilteren Variationen auf. Dazu flossen nicht minder regelmässig erhebliche Mengen Schaumweins - idealer Essensbegleiter und Stimmungsmacher zugleich.

Teils schon während des Apéritivs, teils erst während des Menus oder Buffets wurden dann die ersten Dosen, Kannen, Boxen, Schütten, Schüsseln u.s.w. herbeigeholt und fachfraulich demonstriert.

Weder vorher noch nachher habe ich so konzentrierte und gleichzeitig enthusiastische und begeisterte Damen kennenlernen dürfen (naja, von einigen Ausnahmen abgesehen). Aktuell liegt der Umsatz pro Party im Schnitt bei 400 Euro - 25% davon gehen als Honorar an die Partymanagerin. Zu meiner Zeit wurde zum Bezahlen der Tupperware-Einkäufe auch schon mal das Euroscheck-Heft herausgeholt - und nicht selten vierstellige DM-Beträge auf dem Scheckformular eingetragen.

Und nun?

Vor ein paar Tagen eröffnete Tupperware auch in Deutschland einen Online-Store.

Hier gibt es alles, was das Kochen, Backen, Einfrieren und Aufbewahren angenehmer und leichter macht - und auch für Ästheten unter uns ist bestens gesorgt. Erstaunlich viele Produkte sind mit renommierten Designpreisen ausgezeichnet - das Auge soll ja bekanntlich auch mitessen.

Und die Zukunft der Tupperparty?

Die wird es auch weiterhin geben - die deutsche Website weist darauf hin, dass aktuell (18:36 CEST) mehr als 21.000 Tupperparties weltweit zugange seien. Und auch die lokale Tupperparty-Managerin profitiert künftig von Online-Umsätzen in „ihrem“ Vertriebsgebiet.

So lässt sich die Initiative von Tupperware Brands bzw. Tupperware Deutschland zugunsten eines zusätzlichen Verkaufskanals wohl auch mit dem steigenden Kostendruck in der Branche begründen.

Hier dürfen wir auch an die Frankfurter Herbstmesse TENDENCE erinnern, die in gut einer Woche eröffnen und den Besuchern zeigen wird, wieviele Wettbewerber von Tupperware sich inzwischen im Markt tummeln - teils in grottiger, teils in exzellenter Qualität. Dazu das gesamte Spektrum der Verkaufskanäle - von der Supermarkt-Grossfläche über den Discounter bis hin zum klassischen Fachgeschäft bzw. Fachmarkt. Ferner Baumärkte, Möbelhäuser, Tankstellen-Stores usw. usw.

So sind auch die noch bis vor kurzem angepeilten 500 Tupperware-Studios für Deutschland erst einmal vom Tisch.

Ganz anders in Übersee: für China werden laut eines Handelsblatt-Berichts vom 11.6.2018 in der Spitze 20.000 Tupper-Studios geplant - einige Tausend davon sind schon in Betrieb. Deutlich weniger wurden bereits in Nord- und Südamerika und den GUS-Staaten eröffnet, so die Handelsblatt-Kollegin Katrin Terpitz in ihrem Beitrag „Tupperware startet deutschen Webshop - Pläne für 500 Studios auf Eis“.

Wie auch immer die gerade aktuelle Vertriebsstrategie hinsichtlich der Absatzkanäle aussehen mag - ein Webshop rentiert sich deutlich schneller und nachhaltiger als ein risikobehaftetes Rollout von Monobrand-Stores in den 1a-Lagen unserer Grossstädte. Hinzu kommt erschwerend, dass auch andere attraktive Marken um Handelsimmobilien in diesem Umfeld konkurrieren. 

Zudem wurde 2017 von der US-Mutter Tupperware Brands ein „Revitalisierungsplan“ lanciert, der eine Kostensenkung von 100 Millionen Dollar bewirken soll - nach Nettoverlusten von mehr als 265 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Als wäre das nicht schon ambitioniert genug, schlägt auch noch die Trump’sche Reform der US-Körperschaftsteuer zu - hier dürften nach Einschätzung des Handelsblatts nochmals rund 375 Millionen US-Dollar an den amerikanischen Fiskus fliessen.

Kein Wunder also, dass sich regionale wie inhaltliche Schwerpunkte von Tupperware International wandeln und verschieben. Schwellenländer sind aktuell die angesagten Märkte für die Produkte der Kernmarke, während in den klassischen Industrieländern längst Kosmetikprodukte der Konzerntöchter Nutrimetics oder Nuvo Cosmetics dominieren.

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