Kaiser’s-Tengelmann - Haub droht mit Filialschliessungen und Entlassungen

Quelle Einzellogos: Edeka  / Kaiser’s Tengelmann - Montage: MB


Mülheim an der Ruhr, 10.9.2016 - Der Druck im Kessel nimmt zu: Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub droht nach einem Bericht von Frank Meßing und Björn Hartmann von der Essener WAZ mit dem Schliessen von Filialen und dem Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen bei Kaiser’s Tengelmann (laut aktuellen dpa-Berichten sogar mehr als 8.000).

Kein Wunder - aus seiner Sicht. Die Hängepartie bei der geplanten Fusion von Haubs Supermarktkette mit Edeka zieht sich schon fast zwei Jahre in die Länge und die Verluste bei Kaiser’s Tengelmann belaufen sich Unternehmenskreisen zufolge auf 10 Millionen Euro pro Monat. Bereits früher kursierten Gerüchte, dass die familieneigene Tengelmann-Holding seit 2001 500 Millionen Euro in die Supermarktkette gesteckt habe.

Haub habe deshalb für den 23. September eine ausserordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. Hier soll der „Plan B“ verkündet werden: „die Schließung der besonders schlecht laufenden Filialen.“ Und diese Massnahme könnte dann die Entlassung knapp eines Drittels der insgesamt 16.000 Mitarbeiter bedeuten. Bislang gibt Haub zu diesen Informationen keine Statements ab. 

Der Braindrain im Konzern geht einstweilen munter weiter - „im Einkauf, bei der Informationstechnik, aber auch im Verkauf.“ So zitiert die WAZ aus Betriebsratkreisen, dass Schliessungen von Filialen bereits im Gange seien. 

„Konzernchef Karl-Erivan Haub, sagt ein Insider, sei nach zwei Jahren Warten inzwischen mit seiner Geduld am Ende. Statt die Verluste in der Supermarktsparte auszugleichen – dazu ist er aufgrund eines Gewinnabführungsvertrages verpflichtet – neige er nun zur Aushandlung eines gleichermaßen teuren Sozialplans, um Filialen mit roten Zahlen loszuwerden.“

Bislang scheinen Haub aber noch die Hände gebunden zu sein - er hatte ja im Oktober 2014 mit Edeka-Chef Markus Mosa den Verkaufsvertrag für Kaiser’s Tengelmann geschlossen. Und damit eine komplexe Entwicklung angestossen, in die das Bundeskartellamt, Wirtschaftsminister Gabriel, Rewe, das Düsseldorfer OLG und der BGH verwickelt sind. 

Nicht unwahrscheinlich ist deshalb, dass Haub seine Drohung auch als Druckmittel gegenüber der Politik einsetzen will (vielleicht auch gegenüber dem OLG und dem BGH):

„Sollte Haub allerdings ernst machen und seine Supermarktkette zerschlagen, wäre die Ministererlaubnis hinfällig. Insider schließen aber auch nicht aus, dass er seine Androhung eines Kahlschlags auch als politisches Druckmittel einsetzen will. Die Entlassungs- und Schließungswelle würde mitten in den nordrhein-westfälischen Wahlkampf fallen. Deshalb wird die Hoffnung laut, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei Alain Caparros, dem Chef des Kölner Rewe-Konzerns, drängen könnte, juristisch den Weg für das Zusammengehen von Edeka und Kaiser’s Tengelmann freizumachen. Im Juli hatte Wirtschaftsminister Gabriel einen Kompromiss ins Gespräch gebracht, Kaiser’s Tengelmann unter Edeka und Rewe aufzuteilen, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.“

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