Update:  Kaufhof in Nöten -
jetzt sollen es die Angestellten richten

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Köln, 11.10.2017 - Als der kanadische Kaufhauskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) 2015 beim Kölner Kaufhof einstieg und rosige Zukunftspläne für die neue deutsche Tochter entwarf, schienen die bis dato aufgelaufenen Probleme auf einem Schlag gelöst zu sein: Umbau der Filialen, Einführung der Hip-Marke Saks Fifth Avenue auf dem deutschen Markt, Umgestaltung der häufig defizitären Kaufhof Sport-Arena-Filialen usw. Der Kaufhof sollte insgesamt schicker, jünger und hipper werden. Zwei Jahre später ist die grosse Ernüchterung eingekehrt: Kreditversicherer senkten ihre Limits für Wareneinkäufe, die Kundenzahlen und Umsätze blieben teilweise weit hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück und die kanadische Muttergesellschaft HBC schwächelt selbst - und kommt ihren eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Kaufhof nicht nach. Inzwischen seien nach einer Meldung der Süddeutschen Zeitung auf der Seite des Kaufhof bereits 300 Millionen Euro an aufgelaufenen Forderungen gegenüber HBC zu verbuchen.

Wie das Manager-Magazin bereits Ende Juli berichtete, lag der aufgelaufene Betriebsverlust (Ebit) der Kaufhof-Gruppe nach den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres bereits bei 50 Millionen Euro - eine Verdopplung gegenüber 2016. Hierfür gibt es v.a. zwei Gründe: laufende Rabattaktionen sowie die heraufgesetzten Mieten für die einzelnen Kaufhof-Filialen. So möchte HBC auf Dauer den Kauf der Warenhauskette von dieser selbst finanzieren lassen - das klassische Heuschrecken-Modell der Private Equity-Branche. Wie die Süddeutsche Zeitung am 11. Oktober berichtet, handelt es sich hierbei um jährliche Mehrkosten von 40 Millionen Euro auf eine Laufzeit von zwanzig Jahren gesehen.

Freilich wäre es unfair, die Kritik lediglich bei der Unternehmensleitung rund um Kaufhof-Chef Wolfgang Link abzuladen. Speziell der deutsche Kaufhausmarkt bleibt schwierig, die Kundenfrequenz in den Innenstadtlagen stagniert, wo früher gleich gekauft wurde, wird heutzutage erstmal geprüft, abgewogen und mit den Preisen im Internet verglichen. Keine einfachen Zeiten für Kaufhäuser- zumal die avisierten jüngeren Kunden weiterhin alternative Einkaufsquellen bevorzugen.

Aktuell also Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Kaufhof-Unternehmensführung. Das Ziel: für einzelne Betriebsteile sollen unterschiedliche Tarifverträge abgeschlossen werden (können). Amazon und seine Bezahlung nach Logistik-Tarifen lässt grüssen.

Bei rund 21.500 Beschäftigten ist die Höhe der Lohnsumme natürlich ein ganz schöner Brocken. Der Wunsch, hier anzusetzen, ist also durchaus verständlich. Aber bleibt so auch die nötige Motivation der Belegschaft für die weiter laufenden Restrukturierungsmassnahmen erhalten? Daran darf doch gezweifelt werden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen die Mitarbeiter auf 3-5 Prozent ihres Salärs verzichten, ebenso drei Jahre lang auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und schliesslich wieder zur 40-Stunden-Woche zurückkehren.

Von einer „wirtschaftlichen Atempause“ ist die Rede, welche die Senkung der Tariflöhne dem Konzern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrages verschaffen soll - „bis die angestossenen Wachstumsmassnahmen greifen“, so der Kaufhof in einer Mitteilung vom 10. Oktober.

Peter Herlitzius, Arbeitsdirektor bei Kaufhof, sieht die angestrebten Einschnitte beim Einkommen der Beschäftigten als unverzichtbar für die wirtschaftliche Gesundung der Kaufhof-Kette an. Immerhin werden noch 113 Häuser (97 in Deutschland und 16 „Galeria Inno“ in Belgien) sowie die Zentralbereiche und Logistik betrieben - der Umsatz liegt bei 3,1 Mrd. Euro.

Immerhin: mögen die Umsätze in den Kaufhof-Filialen auch stagnieren oder rückläufig sein, das Online-Geschäft wachse zweistellig, so Wolfgang Link.

Und das muss es auch, soll der traditionsreiche Kaufhof noch eine eigenständige Zukunft haben. Sonst kommt die Idee einer „Deutsche Kaufhaus AG“ als Verbindung der Rivalen Kaufhof und Karstadt schneller wieder auf die Tagesordnung, als vielen - Beschäftigten wie Management - lieb sein mag.

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