„Black Friday“, „Cyber Monday“ oder welche Kuriositäten hätten Sie denn noch gerne?


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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 23.11.2018 - „Black Friday“ - der Urvater aller vorweihnachtlichen Rabattschlachten im Einzelhandel, bezieht sich eigentlich im Kern auf einen sehr beschaulich-feierlichen Anlass: nachdem die ganze (US-amerikanische) Familie sich am vierten Donnerstag im November zum traditionellen Truthahnessen um den festlich gedeckten Tisch versammelt und ihrem Schöpfer und den Gründervätern für besondere Erlebnisse im vergangenen Jahr gedankt hat, wird am Freitag der Auftakt zu den Weihnachtseinkäufen eingeläutet. 

Viele Menschen nehmen sich an diesem Tag frei und geniessen so ein langes Wochenende - nicht ohne bereits frühmorgens in den Einzelhandelsgeschäften aufzukreuzen, um der nämlichen „Black Friday“-Schnäppchen Herr zu werden und die Geschenkeliste für das Fest der Liebe abzuhaken. 

Seit 2005 werden denn auch am „Black Friday“ die höchsten Einzelhandelsumsätze des Jahres in den USA erzielt. Kein Wunder, denn Geiz ist auch jenseits des Atlantik geil, wenn man die Schnäppchen nun mal schon auf dem Silberteller serviert bekommt. 

Zusätzlich gilt der „Black Friday“ als wichtiges Datum für die zu erwartenden Umsätze im eigentlichen Weihnachtsgeschäft. Soweit - so gut.

Was erleben wir allerdings seit einigen Jahren auf unserer Seite des Atlantiks? Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten ist der „Black Friday“ bislang eher ein Online-Phänomen. Dabei sollten sich die Schnäppchenjäger auch ein klein wenig vorsehen, denn viele der vermeintlich so interessanten Angebote mit Abschlägen von 50, 60 oder 70 Prozent entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Luftnummern. Häufig werden nämlich die stolzen Rabattierungen auf Basis der UVPs vorgenommen, die sich in der Praxis jedoch bereits längst in „Strassenpreise“ aufgelöst haben. So ist vor allem bei Unterhaltungselektronik und Fotoprodukten Vorsicht geboten - jedoch auch bei anderen Produktgruppen.

Jeroen van Rooijen geht in seiner „Stilkritik“ vom 23.11.2018 auf bellevue.nzz.ch noch einen Schritt weiter: „Mit dem ‚Black Friday‘ schaufelt der Handel weiter am eigenen Grab“ - so der Titel seiner Analyse. Und natürlich hat er damit recht: seit gut einer Woche bekomme ich jeden Tag gefühlte 328 Mails, die mit besonders ausgefallenen Rabatten auf Produkte aller Art bis hin zu Software und Wohndesign hinweisen, Autozubehör wie Winterreifen und Standheizungen dabei nicht zu vergessen. Und ob die ganze Aktion jetzt unter „Black Friday“, „Red Friday“, „Cyber Days“, „Cyberweek“, „saphirschwarzer Freitag“ oder einem ganz anderen Titel läuft, ist dann auch schon egal. 

Suggeriert werden soll immerfort das Gleiche: JETZT ist die Gelegenheit zum „Zuschlagen" bei den Schnäppchen und wer sich dem verweigert, ist ein ignoranter Tropf (oder gar Schlimmeres).

Van Rooijen verweist beispielhaft auf den Textilhandel 2018, der nicht nur wegen des langen, trockenen und heissen Sommers immer noch mit vollen Lagern der Winterkollektion kämpfe, sondern dem zudem die preisbewussten Kunden scharenweise von der Fahne gingen - ins Ausland (vulgo: angrenzende EU-Länder) oder natürlich ins Internet.

Grundsätzlich könne hier der Kaufschub eines „Black Friday“ für sinnvolle Entlastung der Warenbestände sorgen; die Margen blieben jedoch in der Folge für lange Zeit ruiniert. Und - Kunden gewöhnen sich sehr schnell an Niedrigpreise.

Wie denn auch nicht, wenn Ihnen über’s ganze Jahr irgendwelche Rabattaktionen versprochen werden - Coupons, Einkaufsgutscheine, Mid Season Sales - und immer steht für die Kunden die Frage im Raum: „Geht’s nicht noch etwas billiger?“

Im Kern hat sich hier auch der Handel mit qualitativ hochwertigen Artikeln in eine Lage gebracht, die nur noch Argumentationsmuster à la „Rudis Reste Rampe“ kennt - billig, billiger, am billigsten. 

Dumm nur, dass mit einer solchen Preispolitik die notwendige nachhaltige Marge (leichtfertig) auf’s Spiel gesetzt wird - und so der Fortbestand des Handelsunternehmens gefährdet wird.

Natürlich liesse sich aus Handelssicht auch aus diesem Geschäftsmodell etwas Sinnvolles „stricken“: man bietet als Händler dann eben nicht reguläre Ware an, sondern Überhänge, Artikel der letzten Saison oder extra für die Rabattaktion eingekaufte Ware. 

Die tückische Dialektik eines solchen Geschäftsgebarens sollten Händler jedoch nicht unterschätzen: bemerkt „König Kunde“ nämlich diese Taktik (oder gar langfristige Strategie), ist das vorab mühsam aufgebaute Vertrauen schnell dahin und der Händler steht mit seinen Lockangeboten als „Kaiser ohne Kleider“ da - und hat zudem Probleme, seinen Kunden künftig überhaupt noch vernünftige Preis-/Qualitätsrelationen seiner Produkte aufzeigen zu können. 

Wie es auch anders gehen kann, zeigt die Händlervereinigung „Münchens Erste Häuser“.


Drei der fünf traditionsreichen Einzelhändler Hirmer, Sporthaus Schuster, Kustermann, Bettenrid und Hugendubel setzen bei ihrem „Better Friday“ nicht auf Schnäppchen, sondern auf ein „Zeichen verantwortungsvollen Miteinanders“: sie spenden einen Teil ihres Tagesumsatzes vom 23. November
an die Anton Schrobenhauser Stiftung „kids to life“ - eine Initiative, die sich seit nunmehr fünfzehn Jahren national wie international um benachteiligte Kinder und Jugendliche bemüht.

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